Neue EU-Copyright-Richtlinie könnte Plattformen für freie Software gefährden

    1. Oktober 2017, 11:09
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    Kritiker warnen: Verpflichtung, Urheberrechtsverstöße aktiv zu überwachen, könnte Ende für Github und Co. bedeuten

    In ihrem Bestreben schärfer gegen Urheberrechtsverstöße vorzugehen, arbeitet das EU-Parlament derzeit an einer neuen Richtlinie. Vor eben dieser warnen nun aber die Free Software Foundation und das Openforum Europe, könnte diese doch erhebliche Probleme für Open-Source-Plattformen mit sich bringen, wie heise.de berichtet.

    Vorabprüfung

    Stein des Anstoßes: Die geplante Urheberrechtsnovelle sieht eine Monitoring-Pflicht für Plattformbetreiber vor. Das bedeutet, dass jeglicher Inhalt schon beim Upload überprüft werden muss, um mögliche Copyright-Verstöße aufzuspüren, und deren Veröffentlichung zu verhindern.

    Irreal

    Eine Idee, die gerade bei Open-Source-Entwicklungsplattformen wie Github oder Gitlab vollkommen unrealistisch sei, wie die beiden Organisationen im Rahmen des 6. Copycamp in Warschau betonten. Bei der Anzahl an neuen Codebeiträgen, die hier dauernd einfließen, würde jegliche Vorabprüfung eine massive Verzögerung zur Folge haben, die das gesamte Modell dieser beliebten Entwicklungsplattformen zusammenbrechen lassen würde. Eine automatische Filterung aller Uploads sei bei freier Software aufgrund der komplexen Rechtslage zudem prinzipiell nicht denkbar.

    Widerstand

    Unter dem Namen SaveCodeShare fordern die beiden Organisationen nun zum Widerstand gegen die geplante Richtlinie auf. Zu diesem Zweck hat man ein Whitepaper veröffentlicht, das die Problematik näher erklärt, zudem ruft man zur Unterschrift eines offenen Briefs an die EU-Gesetzgeber auf. Dabei drängt die Zeit: Nach den aktuellen Plänen soll die neue RIchtlinie noch in diesem Jahr beschlossen werden. (apo, 1.10.2017)

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      grafik: fsfe / openforum europe
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