Die eigenen Laster der Tochter erklären

Blog1. Oktober 2017, 16:00
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Kinder wollen vieles ganz genau wissen. Manchmal bringt das einen in Erklärungsnotstand – besonders dann, wenn es um das eigene Verhalten geht

Vor sieben, acht Monaten bestimmte eine Frage das junge Leben meiner knapp dreijährigen Tochter Magdalena. Jeden an sie gerichteten Satz von Mama und Papa pflegte sie mit einem "Warum?" zu ergänzen. "Warum" … regnet es, scheint die Sonne, ist der Himmel blau, essen und schlafen wir, heißt die Löwenstraße so, nennen wir eine Biene eine Biene? Alles wollte ergründet werden. Die Welt ist schließlich komplex, da tun sich selbst für Erwachsene noch jede Menge Fragen auf.

Die Antworten auf die zahllosen "Warums" versuchten wir immer geduldig vorzutragen, selbst dann, wenn wir die Lösung auch nicht genau wussten. Manchmal mussten wir kapitulieren und zugeben: "Ich weiß es nicht, lass uns doch im Lexikon nachschlagen". Ja, so etwas Antiquiertes gibt es bei uns zu Hause noch. Bis das gesuchte Tier, die geheimnisvolle Blume oder das nachgefragte Gemüse gefunden war, wurde mindestens noch ein weiteres "Warum" dazwischen geschoben.

Manchmal gab es aber auch einfach keine Antwort. Etwa wenn Magdalena fragte: "Warum mag ich das nicht?" In solchen Fällen probierten wir die Rollen zu tauschen. Es kamen ein paar Kuscheltiere angetanzt und richteten an die Dreijährige dieses existenzielle "Warum". Ihre Geduld war weniger groß, nach kurzer Zeit kommentierte sie die Fragerei mit einem: "Sag nicht immer warum."

Problematische Logik

Vor etwa drei Monaten hat sich dieses "Warum" still und heimlich aus ihrem Leben geschlichen. Die meisten Fragen sind irgendwie zufriedenstellend beantwortet, so scheint es zumindest. Und für Wetter, Fauna und Flora gibt es mittlerweile auch tolle Kinderbücher, die das weit besser erklären als Mama und Papa.

Es gibt nur zwei Anlässe, zu denen dieses "Warum" wieder hervorgekramt wird. Wenn ich mir abends zum Essen ein Bier öffne. "Warum darf ich kein Bier trinken?". Meine Antwort: "Das ist für Kinder nicht gesund, das dürfen nur Erwachsene – und selbst die sollen nur wenig davon trinken." Eine andere Bierfrage lautet: "Warum trinkst du zum Frühstück kein Bier?" Die väterliche Antwort: "Weil ich dann dumm und müde im Kopf werde. Deshalb trinke ich nur am Abend ein Bier."

Weit häufiger kommt das "Warum" heute noch im Zusammenhang mit Zigaretten vor. Wohl auch deshalb, weil ich doch deutlich mehr rauche als Bier trinke. "Warum rauchst du?" "Weil ich als junger Mann sehr dumm war." Die logische Schlussfolgerung daraus wäre, dass Magdalena denkt: "Der Papa hat früher zum Frühstück Bier getrunken. Deshalb wurde er sehr dumm und hat mit dem Rauchen begonnen." Bevor das passiert, sollte ich es schaffen, die Nikotinsucht unter Kontrolle zu bringen. Viel Zeit bleibt da wohl nicht mehr. (Günther Brandstetter, 1.10.2017)

Blog: Gesunde Geschichten

Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gern gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher, sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • Günther Brandstetter beschäftigt sich mit Gesundheit. Das ist sein Beruf. Im Alltag pflegt er aber nicht immer einen gesunden Lebensstil.
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