Fernando Pessoa: Geld ist pure Anarchie

    5. Oktober 2017, 11:31
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    "Ein anarchistischer Bankier" von 1922 ist haltlos satirische Prosa

    Das war vor knapp 30 Jahren, im Jahr 1988, schon ganz erstaunlich. Da sprang ein Riese der europäischen Weltliteratur auf die deutschsprachige Literaturbühne, erwies sich als Gigant. Und war da schon mehr als 50 Jahre tot. Die Erzählung Ein anarchistischer Bankier des Lissabonners Fernando Pessoa (1888- 1935) war seinerzeit so aufsehenerregend, dass sich ein Schweizer Verleger sogleich anschickte, eine deutsche Gesamtausgabe zu edieren.

    Diese haltlos satirische Prosa, 2006 von Hanns Zischler mit gewohnter Sonorität und Aufmerksamkeit für sanft gesetzte Akzente eingelesen, stammt von 1922. Glaubt man das? Denn so aktuell und aktuell zynisch ist das Plädoyer eines reichen Bankiers während eines Soupers darüber, weshalb er immer noch Anarchist sei. Ja, erst recht als Schwerreicher. Denn erst der ausgelebte Egoismus habe totale Freiheit beschert, durch das Anhäufen von Geld.

    Es ist eine kunstvoll geschriebene abgründige Argumentation, verführerisch suggestiv. Am besten zu hören, während man den Ton der TV-Berichte von den Börsen abdreht. (Alexander Kluy, Album, 5.10.2017)

    • Fernando Pessoa, "Ein anarchistischer Bankier". € 11,30 / 86 min. Der Audio-Verlag, Berlin 2017
      foto: audio-verlag

      Fernando Pessoa, "Ein anarchistischer Bankier". € 11,30 / 86 min. Der Audio-Verlag, Berlin 2017

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