US-Wahl: Russische Propaganda visierte "Swing States" an

    29. September 2017, 10:39
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    Forscher sahen erhöhtes Aufkommen in umkämpften Bundesstaaten – Twitter fand 200 Konto mit russischem Bezug

    Im US-Wahlkampf wurde massiv auf die Verbreitung von Falschinformationen gesetzt. Bots und Trolle verbreiteten irreführende oder schlicht unwahre Meldungen auf sozialen Medien. Laut einer Untersuchung von Buzzfeed konnten erfundene Nachrichten unter den 20 auf Facebook am meisten beachteten Geschichten teilweise mehr Nutzerinteraktionen auf sich ziehen, als faktisch korrekte Nachrichtenmeldungen.

    Eine Erhebung der Stanford University (PDF) hielt fest, dass "der durchschnittliche Erwachsene Amerikaner während der Wahlperiode" zumindest einen oder mehrere Falschnachrichten gelesen hat, wobei der Anteil an Manipulationen zugunsten von Donald Trump höher war, als Artikel zugunsten seiner Konkurrentin Hillary Clinton.

    Mehr Fake News in "Swing States"

    Ob die sogenannten "Fake News" letztlich wahlentscheidend waren, oder nicht, ist bis heute umstritten und kaum nachweisbar. Forscher der Oxford University liefern nun weitere Daten. Auch sie halten fest, dass die gefälschten Nachrichten auf sozialen Medien zumindest gleich erfolgreich waren, wie reale News. In zwölf sogenannten "Battleground States" allerdings war ihr Einfluss deutlich höher, berichtet die Washington Post.

    Unter "Battleground States" (auch: "Swing States") versteht man jene Bundesstaaten, in denen sich deklarierte Sympathisanten von Demokraten und Republikanern in etwa die Waage halten. Über Sieg oder Niederlage – und somit die Zuteilung aller Wahlmänner – entscheiden hier jene Wähler, die sich bei jedem Urnengang neu entscheiden. Dementsprechend stehen diese Staaten im Fokus der Kampagnen. Hier geben die Parteien das meiste Geld für Wahlwerbung und Veranstaltungen aus.

    780.000 Links ausgewertet

    Die Forscher geben an, dass viele der Falschmeldungen auf Twitter von Bot- und Trollkonten in Umlauf verbreitet wurden. Drei Gruppen ließen sich als wichtigste Quellen für neue Fake News ausmachen: Russische Parteinehmer – etwa Mitarbeiter der "Internet Research Agency" in St. Petersburg, Trump-Unterstützer und Alt-Right-Aktivisten. Zu letzteren zählt man Antisemiten, weiße Nationalisten und andere, die nach eigener Erklärung gegen "politische Korrektheit" mobil machen.

    Ausgewertet wurde eine Stichprobe aus Tweets, die zwischen erstem und dem 11. November 2016 veröffentlicht wurden. Diese enthielten insgesamt über 780.000 Links zu verschiedenen Meldungen. In Colorado, Florida, North Carolina, Nevada, Michigan, Missouri, Arizona, Ohio, Georgia, Pennsylvania, Virginia, New Hampshire sei der Propaganda-Output erhöht gewesen.

    In acht dieser Staaten konnte sich Trump durchsetzen, darunter auch Bundesstaaten wie Michigan, in denen Umfragen zuvor einen deutlichen Vorsprung für Clinton sahen. In vier weiteren "Swing States", Iowa, Minnesota, Maine und Wisconsin lag die Fake-News-Quote unter dem nationalen Schnitt – hier setzten sich beide Bewerber jeweils in zwei Staaten durch.

    Twitter findet 200 Konten mit Russland-Bezug

    Twitter selbst kritisiert die Untersuchung allerdings. "Studien über den Einfluss von Bots und Fehlinformationen, die von Dritten über unsere Such-Schnittstelle durchgeführt werden, sind fast immer inakkurat und methodisch fehlerhaft", heißt es. Zudem merkt man an, dass die Untersuchung noch kein Peer Review durchlaufen hat. Das gestehen auch die Forscher ein und betonen, es handele sich um ein Arbeitspapier.

    Der Kurznachrichtendienst hat hinsichtlich der möglichen Beeinflussung des US-Wahlkampfs eigene Zahlen vorgelegt. Rund 200 Konten konnte man identifizieren, die man russischen Quellen zuordnen konnte. 22 davon gehören zu 450 jüngst von Facebook in diesem Zusammenhang identifizierten Nutzern. Zudem war auf Facebook auch von russischen Parteinehmern gezielt Werbung geschaltet worden. (gpi, 29.09.2017)

    • Möglicher russischer Einfluss auf den US-Wahlkampf ist bis heute Gegenstand von Ermittlungen.
      foto: apa/afp/jewel samad/jeff kowalsk

      Möglicher russischer Einfluss auf den US-Wahlkampf ist bis heute Gegenstand von Ermittlungen.

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