Drogenpolitik: Kurz und krank

Kommentar28. September 2017, 17:47
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Kurz wirft den in den 1990er-Jahren mühsam durchgesetzten Grundsatz "Therapie statt Strafe" einfach über den Haufen

Wer das Wahlprogramm von Sebastian Kurz liest, wird den Eindruck nicht los, dass es schon fertig war, als irgendjemand draufkam, dass auch noch etwas zur Drogenpolitik hineinmuss. Also wurde schnell eingefügt: "Das Dealen mit harten Drogen soll beispielsweise in jedem Fall mit Freiheitsentzug bestraft werden, und es soll hier auch keine Chance auf Bewährung geben."

Dafür, sich mit der Materie näher zu beschäftigen, hat offensichtlich die Zeit nicht mehr gereicht. Schade. Denn Österreich hat ein sehr ausgewogenes Suchtmittelgesetz, das gegen richtige Verbrecher richtig streng vorgeht. Sogar lebenslange Haftstrafen für die Bosse von großangelegten Drogenringen sind möglich. Und auch kleine Fische, also gewerbsmäßige Straßendealer, müssen mit Haft rechnen.

Was Österreich zum Beispiel von den Philippinen unterscheidet, ist, dass drogenabhängige Menschen hierzulande als krank gelten. Und Krankheit ist, wenn auch nicht immer heilbar, behandelbar. Mit seinem undifferenzierten Beitrag wirft Kurz den in den 1990er-Jahren mühsam durchgesetzten Grundsatz "Therapie statt Strafe" einfach über den Haufen.

Ja, es gibt Suchtkranke, die Stoff verchecken, um selbst an welchen zu kommen. Sie bedingungslos hinter Gitter zu stecken, anstatt zu therapieren, bedeutet, sie aufzugeben. Auch in Wahlkampfzeiten sollten Politiker darauf achten, bei der Jagd nach Stimmen keinen Bock zu schießen. (Michael Simoner, 28.9.2017)

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