Wiens freie Tanz- und Performanceszene beklagt fehlende Ressourcen

    27. September 2017, 13:21
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    Tanzquartier, Brut und WUK stehen derzeit nicht zur Verfügung

    Wien – Die freie Tanz-, Performance- und Theaterszene Wiens steht in dieser Saison vor "geschlossenen Häusern". Das beklagten Vertreter der Szene, die sich zu der Plattform "Wiener Perspektive" zusammengeschlossen haben, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Wegen Renovierungsarbeiten stehen die beiden Hauptspielstätten Tanzquartier und brut nicht zur Verfügung.

    Die Plattform, der bisher rund 200 Künstler angehören, will auf die "problematischen Arbeitsbedingungen" hinweisen, sagte Regisseurin Claudia Bosse. Gefordert werden mehr Transparenz bei der Vergabe von Förderungen, neue Fördermodelle sowie die Schaffung von Ersatzräumlichkeiten.

    Wegen Renovierung geschlossen

    Das Tanzquartier hat wegen der Renovierung der Studios geschlossen und eröffnet erst wieder Ende Jänner 2018. Die Renovierung werde aus dem laufenden künstlerischen Budget des Hauses finanziert, wodurch der Tanz- und Performanceszene im Herbst Produktionsgelder und Leistungen in Höhe von rund 450.000 Euro entgingen. Auch das tägliche Training in den Studios entfalle ersatzlos, kritisiert die "Wiener Perspektive".

    Das brut befindet sich indessen das ganze Jahr über auf Wanderschaft, da das Haupthaus im Künstlerhaus renoviert wird und somit als Spielstätte ausfällt. Dazu komme, dass der Theater- und Performancespielort im WUK wegen eines Intendanzwechsels erst Ende November eröffnet.

    Die Künstler kritisieren, dass die Verantwortlichen in dieser Situation weder mit ihnen in Dialog getreten seien noch Alternativen angeboten hätten. Initiativen, die sie selbst der Kulturabteilung der Stadt vorgeschlagen hätten, seien abgelehnt worden.

    "Einige haben die Befürchtung, dass die erfolgreiche Tanz- und Performanceszene langsam Gefahr läuft zu zerfallen", sagte Choreograf Chris Haring, der auf die prekäre Situation vieler freier Kunstschaffender wegen fehlender oder zu geringer Förderungen hinwies. "Die freie Szene ist der Humus, aus dem heraus vibrierendes Kunstgeschehen entsteht", betonte auch Choreografin Christine Gaigg. Aufgabe der Kulturpolitik sei es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um sie am Leben zu halten.

    Als Sofortmaßnahme fordert die Plattform, dass die Stadt die 450.000 Euro, die der freien Szene durch die Renovierung des Tanzquartiers "entzogen wurden", in die Schaffung von Trainings- und Aufführungsräumen investiert. Darüber hinaus brauche es ein Kunstförderungsgesetz, das die kulturellen Ausgaben an die Gesamtausgaben der Stadt bindet. "Dass Wien als einziges österreichisches Bundesland über kein solches verfügt, ist nicht länger hinzunehmen", sagte Gaigg. (APA, 27.9.2017)

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