Schlag gegen Baubetrugsnetz: 55 Millionen Euro Schaden

27. September 2017, 10:08
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24 gleichzeitig stattfindende Hausdurchsuchungen in Wien, Nieder- und Oberösterreich

Wien – Nach dreijährigen Ermittlungen hat die Polizei ein Baubetrugsnetz zerschlagen: Eine Tätergruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien soll durch illegale Preisabsprachen, Steuerhinterziehung und Hinterziehung von Sozialabgaben eine Schaden von mehr als 55 Millionen Euro verursacht haben. Am Dienstag kam es zu 24 zeitgleich stattfindenden Hausdurchsuchungen in Wien, Nieder- und Oberösterreich.

Bei Baustellenkontrollen und Observationen hatten Beamte der Finanzpolizei und des Landeskriminalamts Wien genug belastendes Material gesammelt, um am Dienstag in den frühen Morgenstunden die großangelegte Aktion durchzuführen. Die Bande hatte mehr als 755 Arbeitnehmer in einem internationalen Netzwerk aus mehr als 30 Scheinfirmen beschäftigt, berichteten die Ermittler am Mittwoch. Sechs Männer wurden in Untersuchungshaft genommen.

Kickbackzahlungen

In das Betrugsnetzwerk waren laut Finanzpolizei inländische Auftraggeber sowie in- und ausländische Betrugs- und Scheinfirmen involviert. "Man kann von einem organisierten Sozialbetrug im großen Stil sprechen", sagt ein Sprecher des Finanzministeriums.

Die Täter gaben die Entsendungen von Arbeitern aus Billiglohnländern wie Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei vor. Diese wurden bei inländischen Scheinfirmen gemeldet. Die An- oder Ummeldung der Arbeiter sowie die Auftragsvergabe und Rechnungsabwicklung erfolgten über Mittelsmänner in Österreich. Die Rechnungsgelder wurden auf ausländische Konten überwiesen, dort allerdings von den Betrügern abgehoben und teils wieder in Form von Bargeld nach Österreich rückübermittelt ("Kickbackzahlungen"). Die Arbeiter waren in den "Entsendestaaten" nicht sozialversichert beziehungsweise legten gefälschte Dokumente vor.

Massenquartiere als Unterkunft

Die Männer im Alter von 20 bis 60 Jahren lebten zu einem großen Teil ganzjährig in Wien. Gegen sehr geringen Lohn arbeiteten sie auf diversen Baustellen und wohnten unter menschenunwürdigen Umständen in Massenquartieren oder direkt auf den Baustellen.

Bei der Schadenssumme von 55 Millionen Euro handelt es sich um eine vorläufige Schätzung, betont die Finanzpolizei. Der tatsächliche Schaden werde aufgrund von Schein- und Deckungsrechnungen in den Buchhaltungen vermutlich wesentlich höher ausfallen. Beschlagnahmt wurden bei den Hausdurchsuchungen, an denen 160 Beamte beteiligt waren, Laptops, Handys und einige Terabyte Daten. Darüber hinaus wurden 110.000 Euro Bargeld und ein Auto sichergestellt. (APA, 27.9.2017)

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