Kern gegen Lunacek: So nah und doch so fern

26. September 2017, 22:16
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Harmonisch zwar, aber die einst vermeintliche Koalitionspartner plagen gehörige Sorgen

Es mag eine Zeit rot-grüner Koalitionsträume gegeben haben. Doch es ist lange her und hatte die Neos als Traumhelfer. Die Gäste der ORF-Konfrontation am Dienstag haben längst ganz andere Sorgen. Kanzler Christian Kern (SPÖ) und Ulrike Lunacek (Grüne) geben sich eher nostalgiefrei; Lunacek ist sogar recht angriffsfreudig.

Sie haut Kern dessen Kurs beim Ceta-Abkommen um die Ohren. Selbiges würde Arbeitsplätze verspeisen. Kern relativiert das und kontert mit der Mitverantwortung eines Kanzlers auch fürs europäische Ganze. Europa könne über Ceta die globalen Regeln mitgestalten.

Es gelte einfach, die Dinge "mit Vernunft und Augenmaß" zu erledigen, so Kern. Was Lunacek etwa auch an Arbeitszeitverkürzung fordere, sei ein Thema eher der Zukunft. Dann Kerns Lieblingsthema: Zunächst müsse der Aufschwung, der da ist, bei allen ankommen. Lunacek bestätigt dabei gerne, dass auch den Grünen Vernunft nicht fremd sei, falls Kern Gegenteiliges angedeutet haben wollte. Aber nein! Beim Bildungsthema stimmt er der Kollegin dann zu ("zur Schonung der Diskussionszeit").

Moderatorin Claudia Reiterer ist das zu harmonisch. Sie geht zum Thema Auto, Dieselskandal und Fahrverbot über, wo es dann etwas kracht. Das Match erreicht seinen vergleichsweise hitzigen Höhepunkt jedoch bei der Frage, wer der bessere FPÖ-Verhinderer wäre. Lunacek warnt vor den Roten, die sich den Blauen an die Brust werfen würden. Mit Doskozil statt Kern. Der Kanzler wiederholt dann leicht verärgert seinen Vorsatz, zehn Jahre in der Politik bleiben zu wollen.

Während Reiterer abmoderiert, diskutieren die beiden weiter, was ein kleines unerwartetes Chaosfinale ergibt. (Ljubiša Tošić, 26.9.2017)

  • Christian Kern traf am Dienstag auf Ulrike Lunacek, ORF-Diskussionsleiterin Claudia Reiterer war es etwas zu harmonisch.
    foto: apa/neubauer

    Christian Kern traf am Dienstag auf Ulrike Lunacek, ORF-Diskussionsleiterin Claudia Reiterer war es etwas zu harmonisch.

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