Warum Hummeln unter Silberlinden sterben

    28. September 2017, 10:57
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    Lange Zeit hielt sich hartnäckig die Ansicht, der Lindennektar sei giftig für die Hummeln. Wahrscheinlich aber verhungern die Insekten.

    Canterbury – Im Sommer kann man auffällig viele tote Hummeln unter Linden finden. Insbesondere Silberlinden (Tilia tomentosa), die es auch bei uns gibt, blühen verhältnismäßig spät im Jahr. Woran die Insekten zugrunde gehen, war lange Zeit ein Rätsel, obwohl einige Forscher vermuteten, dass Nahrungsmangel etwas damit zu tun haben könnten. Nun hat ein Team um Hauke Koch und Philip Stevenson von der Universität Greenwich im britischen Kent diese These bestätigt: Die Hummeln verhungern vermutlich vor den letzten Nektarreserven des Sommers.

    Die Forscher hatten sich für ihre Studie in den "Biology Letters" der britischen Royal Society zahlreiche frühere Arbeiten zu dem Thema genauer angesehen. Bisher sei man oft davon ausgegangen, dass Lindennektar giftig für Hummeln sei. Für diese These fanden die Forscher aber keine überzeugenden Nachweise. Sie schlagen vor, den Hummeln alternative Futterquellen zur Verfügung zu stellen.

    Einer der bekanntesten Hummelforscher, Dave Goulson von der britischen Universität Sussex, ist der gleichen Meinung wie Koch und Stevenson: "Die Linde selbst ist für die Tiere nicht schädlich."

    Keine "Todesbäume"

    Lange Zeit hatten Silberlinden in den Medien einen schlechten Ruf, wurden gar als "Todesbäume" bezeichnet. Unter den Bäumen fand man mehr tote Hummeln als unter anderen Pflanzen, von denen sich die Insekten ernähren. Seit den 1970er-Jahren kursiert die Theorie, dass die Bäume einen für Hummeln giftigen Nektar produzieren. "Dieser Theorie schenkten so viele Menschen Glauben, dass in den Städten massenweise Silberlinden abgeholzt wurden", sagte die Sprecherin der Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera (Hautflügler) der deutschen Naturschutzorganisation Nabu, Melanie von Orlow.

    Der schlechte Ruf der Silberlinden, der sich teilweise immer noch hartnäckig hält, müsse unbedingt verbessert werden, schreiben Koch und Stevenson. Denn entgegen aller Vermutungen brächten Linden den Hummeln nicht den Tod, sondern seien eine der letzten Nahrungsquellen im Sommer.

    "Die Blütezeit der Linde beginnt Anfang Juli und – wenn die Insekten Glück haben – ernährt sie noch den gesamten Monat hinweg", erklärte von Orlow. Ab August beginnt für die Insekten eine Zeit ohne Blütennahrung.

    Nicht genug Nektar

    Je weiter der Sommer fortschreitet, desto weniger Nahrungsoptionen haben die Hummeln. Sie stürzen sich deshalb auf die Linden. Allerdings können den Forschern zufolge die Bäume nicht mehr genug Nektar für alle bieten. Die Folge: Viele Hummeln sterben ausgerechnet unter den letzten verbliebenen Nahrungsquellen.

    Koch und Stevenson schlagen vor, nicht etwa weniger, sondern mehr Linden in Städten zu pflanzen. Insgesamt müsste es mehr Spätblüher geben. "Die Sicherung von alternativen Blühpflanzen im Spätsommer ist der beste Weg, um ein Hummelsterben zu vermeiden." (APA, red, 28.9.2017)

    • Viele Hummeln verhungern im Juli, weil der Nektar der Linden nicht reicht.
      foto: apa/afp/yuri kadobnov

      Viele Hummeln verhungern im Juli, weil der Nektar der Linden nicht reicht.

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