Deutschlands wirtschaftliche Zukunft

    Kommentar der anderen26. September 2017, 15:27
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    Es geht um die Chancen der Digitalisierung und den Umgang mit dem demografischen Wandel

    Die nächste Bundesregierung wird sich fünf wirtschaftspolitischen Herausforderungen stellen müssen: Digitalisierung und Automatisierung, demografischer Wandel, Globalisierung, Klimawandel und europäische Integration.

    Bei der Digitalisierung der Wirtschaft schwankt Deutschland zwischen überzogener Begeisterung für einen landesweiten Glasfaserausbau und Angst vor der Macht neuer Internetfirmen wie Uber und Airbnb. Die Politik sollte darauf nicht reflexartig reagieren. Ein flächendeckendes Glasfasernetz wäre teuer und ineffizient. Wichtiger ist ein Ausbau dort, wo diese Infrastruktur gebraucht wird. Und die Regulierung der digitalen Wirtschaft sollte Missbrauch bekämpfen, aber neue Geschäftsmodelle nicht behindern.

    Die Sorge ist verbreitet, dass durch Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze verlorengehen. Als Antwort darauf fordern viele die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, eventuell in Kombination mit einer Robotersteuer. Das wäre ein schrecklicher Fehler – eine Kapitulation vor den anstehenden Herausforderungen. Statt einen großen Teil der Bevölkerung von Transfers abhängig zu machen, die von anderen erwirtschaftet werden, sollte die Politik darauf setzen, die Beschäftigten durch Aus- und Weiterbildung auf die Berufe der Zukunft vorzubereiten. Außerdem werden mit der Alterung Arbeitskräfte knapper.

    Statt die Chancen der neuen Arbeitswelt zu sehen, werden Ängste davor geschürt, dass auch gutausgebildete Beschäftigte bald nicht mehr gebraucht werden. Im Jahr 1900 arbeiteten 38 Prozent der deutschen Erwerbsbevölkerung im Agrarsektor. Heute sind es noch zwei Prozent. Das ist ein Beispiel für eine massive Automatisierungswelle, die nicht zu Massenarbeitslosigkeit geführt hat.

    Rente mit 70

    Der demografische Wandel wird die öffentlichen Haushalte belasten, vor allem die Rentenversicherung. Im Bundestagswahlkampf haben SPD und Union ausgeschlossen, das Rentenalter auf 70 Jahre zu erhöhen, obwohl es triftige Gründe gibt, genau das mittelfristig zu tun. Die Erhöhung des Rentenzugangsalters wird oft als ungerecht gebrandmarkt, weil man gesundheitlich belastende Berufe häufig nicht bis zum Alter von 70 ausüben kann. Das ist ein wichtiges Problem, aber es muss durch höhere Entlohnung und die Erwerbsunfähigkeitsversicherung gelöst werden, nicht durch die Rentenversicherung. Abgesehen davon sollte der individuelle Renteneintritt flexibel sein, allerdings mit entsprechenden Ab- oder Zuschlägen. (Clemens Füst, Copyright: Project Syndicate, 26.9.2017)

    Clemens Füst ist Präsident des Ifo-Instituts und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni München.

    • Ein Schüler in Niedersachsen lernt am Tablet.
      foto: carmen jaspersen/dpa

      Ein Schüler in Niedersachsen lernt am Tablet.

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