Spanplattenhersteller Fundermax tritt sich mit Biomasse Schiefer ein

26. September 2017, 15:00
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Fundermax hat eine ultrareine Arbeitsumgebung geschaffen. Rechtlichen Ärger bereitet jedoch ein Biomassekraftwerk

Wien / St. Veit an der Glan – Der zur Turnauer-Gruppe gehörende Spanplattenhersteller Fundermax fährt eine Doppelstrategie: Einerseits versucht das Team um Geschäftsführer René Haberl mit immer hochwertigeren Produkten gegen den Margenverfall anzukämpfen und auf neuen Märkten Tritt zu fassen, andererseits wird auch intern optimiert. In diese Kategorie fällt der geplante Brennstoffswitch im firmeneigenen Biomassekraftwerk in St. Veit/Glan von Frisch- auf Altholz.

Laut gültiger Genehmigung darf derzeit nur eine vergleichsweise kleine Fraktion von Altholz (zum Beispiel alte Bahnschwellen) mitverheizt werden. Der erste Antrag auf Umstellung des Brennstoffmixes geht auf 2013 zurück. Inzwischen gab es zwei positive Bescheide des Landes Kärnten. Alle beide wurden nach Anrainerbeschwerden vom Landesverwaltungsgericht beeinsprucht.

Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof

"Das Gericht hat in beiden Fällen nicht in der Sache entschieden, es ging immer nur um formaljuristische Themen", sagte Haberl dem STANDARD. "Unser Kampf um Rechtssicherheit geht weiter." Fundermax hat inzwischen Beschwerde beim Verfassungs- und außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof in Wien eingelegt.

Es geht um 175.000 Tonnen Brennstoffe, die im Funder-Biomassekraftwerk jährlich in anderer Zusammensetzung verheizt werden sollen. Durch mehr Additive und Optimierung der technischen Steuerung könne man garantieren, dass die Emissionswerte bei Einsatz von mehr Altholz zum Teil um bis zu 40 Prozent sinken. Noch aber müsse man sich gedulden. Mit einem Spruch der Höchstgerichte sei erst in etwa einem halben Jahr zu rechnen, sagte Haberl.

Millioneninvestition

35 Millionen Euro wurden in das Biomassekraftwerk in St. Veit investiert. Der so gewonnene und zertifizierte Ökostrom wird verkauft, Strom für den Eigenbedarf extern günstiger zugekauft. Den Bedarf an Dampf (Prozesswärme) deckt Fundermax zu einem Gutteil aus dem eigenen Biomassekraftwerk; der Rest der Energie wird in das von der Kelag betriebene Fernwärmenetz St. Veit eingespeist, über das mehr als 4.000 Haushalte versorgt werden. Vergleichsweise teures Frischholz will man, sofern es einen endgültig positiven Bescheid gibt, ausschließlich als Rohmaterial für die Produktion der Spanplatten benutzen.

Fundermax, 2005 aus dem Zusammenschluss von Funder (St. Veit/Glan, Neudörfl) und Isomax (Wiener Neudorf) hervorgegangen, setzt rund 380 Millionen Euro im Jahr um. Produziert wird ausschließlich in Österreich, wo 1.050 der rund 1.200 Mitarbeiter weltweit beschäftigt sind – 440 davon am Unternehmenssitz in St. Veit/Glan.

Größte Sparte ist der Möbelbau. Damit verdient Fundermax etwa jeden zweiten Euro. Weil die Ansprüche steigen und man sich als Vorreiter verstehe, habe man 13 Millionen Euro in eine innovative Anlage am Kärntner Standort investiert, die am 13. Oktober offiziell eingeweiht wird. Dabei werden unter Reinraumbedingungen, wie man sie ähnlich auch in der Halbleiterindustrie vorfindet, hochwertigste Glanzoberflächen produziert, vergleichbar mit Klavierlack. "Die Produktion einer Küche geht heutzutage vollautomatisch. Die Platte, die vorne entladen wird, kommt hinten als Kästchen heraus. Die Qualität muss da zu hundert Prozent passen", sagte Haberl.

Zunehmend Freude bereitet Fundermax auch der Fassadenbereich, der für gut ein Viertel der Gesamtumsätze steht. Seit dem Hochhausbrand in London würden verstärkt unbrennbare Werkstoffe nachgefragt. Haberl: "Wir haben vor fünf Jahren begonnen, Lösungen in Sachen Brandbeständigkeit zu entwickeln, sind fündig geworden und sind nun zur richtigen Zeit am Markt." (Günther Strobl, 26.9.2017)

  • In St. Veit / Glan sind etwa 440 der weltweit rund 1200 Mitarbeiter von Fundermax beschäftigt. Mit innovativen Produkten will man die Konkurrenz auf Abstand halten.
    foto: fundermax

    In St. Veit / Glan sind etwa 440 der weltweit rund 1200 Mitarbeiter von Fundermax beschäftigt. Mit innovativen Produkten will man die Konkurrenz auf Abstand halten.

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