Air Berlin braucht frisches Geld ab November

25. September 2017, 16:12
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Die Verkaufsgespräche mit Lufthansa und Easyjet seien auf gutem Weg, erklärt der Aufsichtsrat. Aber nicht alle 8.000 Stellen können erhalten bleiben

Berlin/Frankfurt/London – Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin, zu der die Österreich-Tochter Niki gehört, sieht sich bei den Verkaufsgesprächen mit Lufthansa und Easyjet auf gutem Weg, wie der Air-Berlin-Aufsichtsrat am Montag informierte. Allerdings sei ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Wochen Grundvoraussetzung für den Erfolg, warnte der Generalbevollmächtigter Frank Kebekus am Montag. "Alles andere gefährdet die Verhandlungen."

Ungewöhnlich viele Krankmeldungen von Piloten hatten vor zwei Wochen zu zahlreichen Flugausfällen und damit zu einem Vertrauensverlust von Passagieren geführt. Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann fügte hinzu, man werde nicht alle 8.000 Arbeitsplätze erhalten können. Er betonte aber: "Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können." Aufatmen könne man erst, wenn die EU den Deal absegne.

Kaufpreis unbekannt

Der Air Berlin liegen nach eigenen Angaben von der Lufthansa Angebote für die Regionalflugtochter Walter (LGW), den Ferienflieger Niki und Teile der Air Berlin vor. "Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen eröffnet eine Perspektive für mehrere tausend Mitarbeiter", erklärte die Air Berlin.

Zum Kaufpreis von Lufthansa und Easyjet äußerte sich die Airline nicht. Hierzu hieß es nur: "Wenn die Abschlüsse wie geplant finalisiert werden, besteht eine gute Chance, den KfW-Kredit zurückzuzahlen." Die deutsche Bundesregierung hatte eine Finanzhilfe von 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ohne dieses Geld hätte man den Flugbetrieb von Air Berlin kurz vor dem Insolvenzantrag am 15. August einstellen müssen, sagte Winkelmann. "Andernfalls hätten wir am Wochenende 12./13. August 2017 die Flotte grounden müssen."

Der britische Billigflieger Easyjet hat ein Gebot für bis zu 30 Flugzeuge abgegeben. Das Offert umfasse 27 bis 30 A320 Airbus-Maschinen, erklärte Kebekus. Insgesamt gab es 16 Gebote, darunter keine für die 17 schon größtenteils stillgelegten Langstreckenflieger. Da die Lufthansa Insidern zufolge 78 Flugzeuge übernehmen will, wären bei einer Vereinbarung mit Easyjet über 30 Maschinen noch rund 20 weitere an neue Eigner zu vergeben.

EU-Prüfung folgt

Die EU-Kommission wird nach Worten von Sachwalter Lucas Flöther das Bieterverfahren prüfen. "Wir hoffen, dass der Prozess bis Jahresende abgeschlossen ist." Vorwürfe von Interessenten über einen Einfluss der Politik auf das Verfahren bezeichnete Flöther als "völlig abwegig". Vertreter der Bundesregierung und des Landes Berlin hatten sich allerdings für die Lufthansa starkgemacht.

Das Langstreckenangebot wird von der Air Berlin indes am 15. Oktober vollständig eingestellt. Als Grund nannte die insolvente Fluggesellschaft am Montag, dass die Leasingfirmen nach und nach ihre Airbus A330-Jets zurückzögen. 10 ihrer 17 Langstrecken-Maschinen hatte Air Berlin schon am Wochenende zurückgeben müssen.

Auch in Deutschland fallen Strecken weg: Bereits zu diesem Freitag (29. September) streicht Air Berlin die Verbindungen zwischen Hamburg und München sowie zwischen Köln/Bonn und München.

Flugbetrieb bis Novmber gesichert

Der Flugbetrieb der insolventen Air Berlin sei noch bis Anfang November finanziert. "Wir sind sicher, dass wir den Flugbetrieb in den nächsten Wochen aufrechterhalten können", sagte Winkelmann. Eine entscheidende Frage in den Verkaufsverhandlungen sei deshalb, wie man die Zeit ab dem Beginn des Winterflugplans Ende Oktober finanziere.

Ziel ist es, die Gespräche bis zum 12. Oktober abzuschließen. Sobald die Verträge unterschrieben seien, könne man auch mittel- und langfristige Buchungen wieder empfehlen. Zurzeit hält ein Kredit des Bundes die Airline in der Luft. (APA, Reuters, 25.9.2017)

  • Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann (Mitte) erklärte am Montag, dass nicht alle 8.000 Arbeitsplätze der insolventen Fluglinie erhalten bleiben.
    foto: reuters / stefanie loos

    Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann (Mitte) erklärte am Montag, dass nicht alle 8.000 Arbeitsplätze der insolventen Fluglinie erhalten bleiben.

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