SOS mit Fonda und Redford: Netflix-Film "Unsere Seelen bei Nacht"

    29. September 2017, 11:00
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    Ob er sich vorstellen könne, ab und an zu ihr nach Hause zu kommen, um mit ihr zu schlafen, fragt Addy. Darüber müsse er nachdenken, sagt Louis. Ab Freitag auf Netflix

    Wien – Ihre Anfrage trägt Addy an Louis höflich-korrekt vor: Ob er sich vorstellen könne, ab und an zu ihr nach Hause zu kommen, um mit ihr zu schlafen. Angesichts dieses Vorschlags der patenten Lady verschlägt es dem Gegenüber kurz die Sprache, immerhin haben beide ihre besten bereits hinter sich.

    Aber Addy setzt nach, es lässt sich ja alles begründen: "Wir sind beide allein." Und es gehe nicht ausschließlich um Sex, sondern darum, gemeinsam im Bett zu liegen, zu reden und zusammen einzuschlafen. Wer könnte da schon Nein sagen?

    foto: netflix

    "Ich werde darüber nachdenken", sagt Louis, und eine schlimmere Antwort kann es kaum geben, obwohl er’s ernst meint. Louis denkt nach, die ganze Nacht, einen ganzen Tag und einen Abend. Dann ruft er an: "Ich würde es gerne probieren", sagt Louis. "Oh", sagt Addy. "Morgen?", sagt Louis. "Morgen geht für mich gut", sagt Addy. Na also, von nichts kommt nichts.

    Zarte Bande

    Eher selten beginnen Liebesgeschichten unter Menschen mit 70plus im Bett. "Unsere Seelen bei Nacht" vom indischen Regisseur Ritesh Batra – und ab Freitag auf Netflix abrufbar – schon, und das erste Mal ist, wie so oft, auch hier kein Selbstläufer. Wer so lange aus der Übung ist, muss erst wieder hineinkommen. Es wären nicht die beiden Hollywood-Ikonen Jane Fonda und Robert Redford, wenn es dabei nur um Sex ginge. Bis es soweit kommt, knüpfen die beiden zarte Bande, erzählen einander Lebensgeschichten, und irgendwann nimmt Louis dann doch den Vordereingang zu Addys Haus, weil es egal ist, was die Leute sagen.

    kinocheck international

    Die 79-jährige Fonda und der 81-jährige Redford haben als Filmliebespaar eine gemeinsame Geschichte, dreimal spielten sie gemeinsam, in "Ein Mann wird gejagt, Barfuß im Park" und "Der elektrische Reiter", waren oder wurden sie zwischen 1966 und 1979 ein Liebespaar. Der Zauber, der dieser Filmverbindung innewohnt, hat nicht nachgelassen, auch wenn manches bisweilen hoffnungslos romantisch wirkt.

    In einer kleinen, feinen Nebenrolle als dauerätzenden Stammtischbruder sehen wir Bruce Dern, ebenfalls ein alter Kollege Redfords, die beiden standen schon in "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" (1969) und "Coming Home – Sie kehren heim" (1978) gemeinsam vor der Kamera. Abgebrühte Geistern werden die Altersliebelei zwischen Fonda und Redford vielleicht als sentimental abtun, aber was soll's. Die beiden sehen fantastisch aus, sie spielen großartig, man kann auch ein bisschen weinen. Was braucht man schon mehr im Leben? (prie, 29.9.2017)

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