Angst vor Vulkanausbruch auf Bali: 75.000 auf der Flucht

26. September 2017, 12:59
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Außenministerium: "Anweisungen lokaler Behörden befolgen" – "Kritischer Zustand" erreicht

Jakarta – Auf der indonesischen Ferieninsel Bali steigt die Angst vor einem baldigen Ausbruch des Vulkans Mount Agung. Die Katastrophenschutzbehörde sprach am Dienstag von einem "kritischen Zustand".

Die Magma innerhalb des mehr als 3.000 Meter hohen Vulkans bewege sich immer höher auf den Rand zu, sagte Behördensprecher Sutopo Nugroho. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Eruption kommt, ist hoch. Aber wir können nicht sagen, wann."

Allein am Montag wurden mehr als 560 seismische Erschütterungen gemessen, wie das indonesische Observatorium für Vulkanologie und geologische Risiken erklärte. Der Agung liegt nur rund 75 Kilometer von den bei Urlaubern beliebten Zielen Kuta und Seminyak entfernt.

foto: apa

Höchste Warnstufe

Bereits seit Freitagabend gilt für den Mount Agung (in der Landessprache: Gunung Agung) die höchste Warnstufe. Mit 3.030 Metern ist er der höchste Berg der Insel. Aus Sorge vor einem Ausbruch auf der Touristeninsel sind rund 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Allerdings halten sich dort immer noch Zehntausende auf, die ihre Unterkünfte nicht verlassen wollen – oft in der Befürchtung, dass ansonsten etwas gestohlen wird.

Derweil brachten Lastwagen Lebensmittel, Trinkwasser, Zelte, Atemschutzmasken und Bettdecken in die rund 380 Notunterkünfte in Bali. Gebraucht würden vor allem Grundnahrungsmittel wie Reis, Instantnudeln, Öl und Wasser, sagte ein für die Logistik zuständiger Behördenvertreter in dem Dorf Tana Ampo im Distrikt Karangasem.

In der als gefährdet geltenden Zone leben rund 62.000 Menschen. Zehntausende kamen in Notunterkünften oder bei Angehörigen unter. Auch knapp 2.000 Kühe wurden aus der Gegend weggebracht.

Letzter Ausbruch 1963/64

Der letzte Ausbruch liegt bereits mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Die Eruption 1963/64 dauerte insgesamt länger als ein Jahr. Mehr als 1.100 Menschen kamen damals ums Leben. Viele wurden damals von sogenannten pyroklastischen Strömen überrascht – einer Art Glutlawine aus Lava, Steinbrocken und Gas, die enorm schnell werden kann. Experten fürchten, dass sich dieses Drama wiederholen könnte.

Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. In dem Gebiet treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. In dem Inselstaat gibt es insgesamt etwa 130 aktive Vulkane.

Staaten warnen vor Reisen auf Bali

Der Flughafen der Hauptstadt von Bali, Denpasar, war zunächst nicht beeinträchtigt. Allerdings haben mehrere Staaten wie Australien und Singapur bereits vor Reisen auf die Insel gewarnt. Dort machen jährlich mehrere Millionen Menschen Urlaub.

Österreichs Außenministerium reagiert

Das österreichische Außenministerium thematisierte die Möglichkeit eines Vulkanausbruchs auf Bali in seinen "Reiseinformationen" im Internet: "Sollte sich während Ihres Aufenthalts ein Ausbruch ereignen, so melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Sicherheitsbehörden", wurde geraten.

"Im Falle eines Ausbruchs kann es – abhängig von der Windrichtung – zu Behinderungen im Flugverkehr in der Region – insbesondere nach Bali – kommen, da aus Sicherheitsgründen temporär Flughäfen bzw. der Luftraum gesperrt werden könnten." Auch der Speedbootverkehr zwischen Bali, den Gili-Inseln und Lombok wäre dann wohl unterbrochen. Für diesen Fall wurde empfohlen, "die Medienberichte laufend zu verfolgen und bei Flugreisen die jeweilige Fluglinie bzw. das Reisebüro zu kontaktieren". (APA, red, 26.9.2017)

  • Touristen beobachten am Montag aus sicherer Entfernung den Sonnenuntergang hinter dem Mount Agung.
    foto: reuters/darren whiteside

    Touristen beobachten am Montag aus sicherer Entfernung den Sonnenuntergang hinter dem Mount Agung.

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