Julya Rabinowich: Was fehlt

Kolumne22. September 2017, 17:14
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Es braucht mehr Gewaltschutzmaßnahmen, in diesem äußerst sensiblen Bereich darf mitnichten gespart werden

In Wien hat eine Vierzehnjährige ihren Wunsch, selbstständig leben zu können und im neuen Land anzukommen, mit dem Leben bezahlt. An sich hatte sie alles richtig gemacht, sich selbst Hilfe geholt, ist weiter in die Schule gegangen, ins Krisenzentrum gezogen. Dort war sie zwar schon einmal – allerdings kehrte sie zwischenzeitlich zur Familie zurück.

Das ist nicht sehr verwunderlich. Jedes Kind will glauben, geliebt und angenommen zu werden. Jedes Kind braucht ein Zuhause. Sogar ein Kind, das freiwillig das Krisenzentrum aufsucht. Der ältere Bruder setzte dem Leben des Mädchens ein Ende – mit der Begründung, dass es den Eltern Kummer bereitet habe.

Das schrammt sehr nahe an einen Ehrenmord. Die Rolle der gesamten Familie muss dabei restlos aufgeklärt werden: Für solche Verbrechen kann es nur entsprechende Ahndung geben, die nicht nur den Täter miteinbezieht, sondern alle Mitverantwortlichen.

So oder so braucht es mehr Gewaltschutzmaßnahmen, hält der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser fest – beispielsweise verpflichtende Auflagen für gewalttätige Familienmitglieder. In diesem äußerst sensiblen Bereich darf mitnichten gespart werden, ganz im Gegenteil braucht es da wesentlich mehr Ressourcen.

Im Endeffekt ist die so gestützte soziale Sicherheit etwas, das alle angeht. Und im Sinne der Allgemeinheit sollte sie dementsprechend budgetiert werden.

Derzeit ist es so, dass Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner den fehlenden, bereits zugesagten Geldbeträgen vom Finanzministerium hinterherrennen musste. (Julya Rabinowich, 22.9.2017)

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