Shoppen als Liebes-SOS

    Wochenschau23. September 2017, 08:00
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    Es gibt auch abseits von Mensch und Maschine große evolutionäre Fortschritte. Papagei Buddy hat online eine Bestellung aufgegeben

    Seiner natürlichen Umgebung beraubt, muss jedes Lebewesen die Freizeit mit Sinn erfüllen. Schließlich kann an jenen trüben Tagen, an denen etwa ein bunter Vogel wieder einmal allein gelassen wurde, die Einsamkeit übermächtig werden. Wer vermag es also, einem Zweiflügler zu verdenken, aus emotionaler Not einen nächsten Sprung in der persönlichen Evolution zu wagen und online ein paar Dinge zu bestellen? Shoppen als Liebes-SOS eines Vernachlässigten ist auch bei Zweibeinern ein erprobter Reflex. Was Herrchen kann, kann ich auch, dachte sich denn auch Buddy.

    Der in London lebende Papagei hat durch Imitation der Stimme seiner Besitzerin bei einem Onlinehändler eingekauft. Der digitale Assistent, dieses schwarze Türmchen, das alles so gut versteht, nahm Buddys Sprachnachricht an, was zur prompten Lieferung eines goldfarbenen Geschenkkartons im Wert von 11,50 Euro führte.

    Die Ratlosigkeit der Familie, deren Mitglieder versicherten, das Paket nicht bestellt zu haben, klang zunächst unglaubwürdig. Ein Beweisvideo jedoch zeigte, wie Buddy "Alexa" krächzt und "Oh, hmmm, bleib online ..." hinterherschickt.

    Es ruht im Verborgenen, was Buddy eigentlich bestellen wollte und warum just ein Geschenkkarton geliefert wurde. Auch ist nicht bekannt, ob dem einsamen Genie ein Studium der Sprachwissenschaft ermöglicht wird, damit Buddy das Brexit-Verhandlungsteam von Theresa May eloquent unterstützt. Die Geschichte zeigt in jedem Fall aber: Der Fortschritt bleibt nicht ausschließlich auf Mensch und Maschine beschränkt. (Ljubisa Tosic, 23.9.2017)

    • Papagei Buddy bestellte einen goldfarbenen Geschenkkarton.
      foto: dpa

      Papagei Buddy bestellte einen goldfarbenen Geschenkkarton.

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