Air Berlin / Niki: Für Lauda ist die Sache gelaufen

22. September 2017, 14:17
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Der Gründer der einstigen Lauda Air war an der Österreich-Tochter der Air Berlin interessiert, jetzt übt er Kritik an der deutschen Politik

Wien/Schwechat/Berlin – Im Poker um die insolvente Air Berlin hat AUA-Mutter-Lufthansa die Nase vorn. Sie soll laut Insidern große Air-Berlin-Teile und die Österreich-Tochter Niki übernehmen. Niki Lauda, der mit Condor geboten hat, würde demnach leer ausgehen. Auch er selbst rechnet sich keine Chancen mehr aus und sieht ein abgekartetes Spiel. "Das kann es in der heutigen Zeit nicht geben", kritisierte er am Freitag.

Es sei unglaublich, dass die deutsche Politik 150 Millionen Euro öffentliche Gelder zur Verfügung stelle, "damit nachher ein hundertprozentiges Monopol geschaffen wird", sagte er in der Mittags-"ZiB" des ORF. "Wettbewerb heißt günstigere Tickets", so Lauda weiter. Zudem könnten Reiseveranstalter dann mit verschiedenen Airlines fliegen – ein Monopol verhindere das.

"Abgekartetes Spiel"

Der Verkauf der in die Pleite geschlitterten Air Berlin gilt als politisch heikel – nicht zuletzt wegen der staatlichen Beihilfe in Millionenhöhe. Die "Kranich"-Airline galt schon länger als Favorit der deutschen Politik. Regierungsmitglieder wie die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich sehr früh dafür ausgesprochen, dass die deutsche Lufthansa große Teile von Air Berlin übernimmt. Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller hatte sich für den deutschen Branchenprimus starkgemacht und eine Übernahme durch den irischen Rivalen Ryanair abgelehnt. Dessen Chef Michael O'Leary kritisierte das Bieterverfahren ebenfalls als "abgekartetes Spiel" zugunsten der Lufthansa und verzichtete auf ein Angebot.

Möglicherweise juristisches Nachspiel

Die Vorentscheidung für die AUA-Mutter Lufthansa könnte auch juristische Folgen haben. Wenn das ausgemachte Sache gewesen sei, "wird es eine gewaschene Kartellklage geben", sagte ein Sprecher des vorerst unterlegenen Bieters Utz Claassen.

Er verwies auf Stellungnahmen aus der deutschen Bundesregierung zugunsten der Lufthansa unmittelbar nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin. Die Gläubiger hatten am Donnerstag entschieden, für große Teile der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft exklusiv mit dem Marktführer zu verhandeln.

Claassen kritisierte auch die geplante Aufspaltung des Unternehmens, die zulasten der Beschäftigten, des Wettbewerbs und des Markenauftritts gehe. "Die Braut wurde nicht geschmückt, offensichtlich wurde sie sogar Stück für Stück hässlich gemacht." Air Berlin werde entstellt und verstümmelt, hieß es mit Blick auf gestrichene Langstrecken-Verbindungen.

Scharfe Kritik

Der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl zeigte sich am Freitag "entsetzt", dass die insolvente Fluggesellschaft in Teilen an die Lufthansa und den Billigflieger Easyjet gehen soll. Wöhrl selbst hatte ein Angebot vorgelegt, mit dem er eine Zerschlagung verhindern wollte. Doch der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) "haben von Anfang alles andere als eine Lufthansa-Lösung als nicht machbar abgetan", erklärte Wöhrl.

Die Logistikfirma Zeitfracht, die unter anderem für Air Berlins Technik-Sparte geboten hat, sieht sich noch im Rennen. Das Berliner Unternehmen hat aber bisher auch noch keine offizielle Antwort auf die Ergebnisse der Gläubigersitzung. Derzeit "überwiegen die positiven Rückmeldungen zu unserem Kaufangebot und die Chancen, dass wir 'in die Luft gehen'", erklärte Firmenchef Wolfram Simon.

Lob

Verdi bezeichnete unterdessen Lufthansa, Easyjet und Condor, die "offenbar als Käufer im Gespräch sind", als Unternehmen mit guten Tarifverträgen und einer guten Mitbestimmungskultur". Man erwarte, dass die Firmen nun "Verantwortung für die Beschäftigten von Air Berlin übernehmen und ihnen gute Zukunftsperspektiven bieten", sagte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle. Es müssten möglichst viele Jobs mit fairen Arbeitsbedingungen erhalten werden. Darüber wolle die Gewerkschaft mit den Firmen reden. (APA, Reuters, 22.9.2017)

  • Hätte sich mehr Wettbewerb gewünscht: Niki Lauda.
    foto: apa/joe klamar

    Hätte sich mehr Wettbewerb gewünscht: Niki Lauda.

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