Boli Bolingoli: Mehr als ein Lächeln

    22. September 2017, 08:39
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    Der 22-Jährige schickt sich an, bei Rapid eine feste Größe und zudem Publikumsliebling zu werden. Er hat "Fußball im Blut", vertraut dem lieben Gott. Mehr Punkte wären allerdings auch ein Segen

    Wien – Boli Bolingoli sagt, dass alles einen Sinn habe. Er lächelt, das ist bei dem 22-jährigen Belgier ein alternativloser Dauerzustand. Warum dieses Grinsen? "Weil das Leben wunderschön ist, du musst dich daran erfreuen, fröhlich, demütig und dankbar sein." Der liebe Gott wisse schon, was er tut. "Aus mir hat er wohl einen coolen Typen gemacht." Rapids Trainer Goran Djuricin bestätigt das. "Boli ist ein Sonnyboy, er reißt alle mit, sein Lachen, seine Freundlichkeit, seine Offenheit sind ansteckend." Und kicken kann er auch.

    Boli hat Ende Juni einen Dreijahresvertrag unterzeichnet. Er wurde beobachtet, war fast ein Schnäppchen. Rapid im Speziellen und der österreichische Fußball im Allgemeinen sind in diesem wahnwitzigen Geschäft zu Außenseitern verkommen. Red Bull Salzburg ist die Ausnahme, allerdings ist auch dort ein Schrumpfen feststellbar. Bolis Cousin ist übrigens Romelu Lukaku, der Stürmer wurde im Sommer um schlappe 100 Millionen Euro von Everton an Manchester United verscherbelt. Für Boli ist diese familiäre Angelegenheit gar nicht so krank. "Warum sollte der Fußball verrückt sein? Die Welt ändert sich, es ist ein Geschäft, die Klubs zahlen das."

    Boli wurde im Kongo, in Kinshasa, geboren. Er war sieben Jahre alt, als die Familie nach Belgien ausgewandert ist. Vater, Mutter Bruder, die Schwester musste die Reise nicht mitmachen, sie gesellte sich erst in Antwerpen dazu. Erinnerungen an seine alte Heimat sind maximal schemenhaft. "Irgendwann will ich in den Kongo fahren, meine Wurzeln entdecken. Aber das hat Zeit." Die Familie sei immer schon fußballverrückt gewesen. "Wir haben Fußball im Blut." Boli begann bei Berchem Sport, die weiteren Stationen waren Beveren, Royal Antwerp FC , Germinal Beerschot und Brügge. Brügge hatte ihn an St. Truiden verliehen, von dort wechselte er zu Rapid: Bolis Nahziel: "Meine Mutter kann hoffentlich bald mit der Arbeit aufhören, sie hat genug geleistet, soll sich erholen und lächeln."

    Boli hat sich in Wien rasch akklimatisiert "Eine wunderschöne Stadt." Die Rapid-Fans haben ihn ins Herz geschlossen, wird sein Name bei der Bekanntgabe der Aufstellung gerufen, ist der Applaus besonders laut. Das mag auch daran liegen, dass "Fußballgott" Steffen Hofmann in Altersteilzeit gegangen ist, nur noch sehr sporadisch eingesetzt wird. Boli sagt, und sein Lächeln wird noch breiter: "Die Fans mögen mich, sie feuern mich an, ich will viel laufen, ihnen die Liebe zurückgeben."

    Dreckige Siege

    Ob der liebe Gott gewollt hat, dass Rapid nach acht Runden nur zehn Zähler hat, weiß Boli natürlich nicht. "Uns fehlt das Glück. Fußballerisch sind wir die besten, Salzburg ausgenommen. Das Problem sind die wenigen Punkte. Das Glück kommt sicher irgendwann zurück. Wir müssen mit dem Siegen beginnen. Auch die dreckigen Siege zählen."

    Boli wirbelt links in der Verteidigung, Schnelligkeit, Übersicht und Offensivdrang sind offensichtlich. Als er gekommen ist, war Djuricin leicht entsetzt. "An seinen Fähigkeiten haben wir nie gezweifelt. Er war körperlich aber nicht gut beisammen. Er hat das mittlerweile aufgeholt, ist eine absolute Verstärkung. Ab und zu sollte er in der eigenen Hälfte weniger dribbeln."

    Boli bewundert Zinédine Zidane. "Er war der Held meiner Jugend. Ich liebte sein Spiel." Er selbst träumt weder von Real Madrid noch von Manchester United, die Realität ist Rapid. "Ich muss mich hier beweisen, Schritt für Schritt gehen. Entscheidend ist immer das Heute und das Morgen. Was in fünf Jahren passiert, darf keine Rolle spielen. Ich will mit Rapid Geschichte schreiben." Wobei das nach Stand der Dinge eher G' schichterln sind, ein Platz in den Top drei, die Qualifikation für die Europa League wären jedenfalls ein Anfang. Wie lange er tatsächlich Rapid dient, ist offen. Verträge sind auch dazu da, um aufgelöst zu werden. Djuricin ist sich dessen bewusst. "Außergewöhnliche Talente, und Boli ist eines, sind schwer zu halten. Man hat das ja bei Maximilian Wöber gesehen. Ruft Ajax Amsterdam, ist man chancenlos."

    Am Samstag wird im Allianz-Stadion Bolis Namen gerufen, das Spiel gegen den WAC steht an. Der Belgier wird mit einem Lächeln einlaufen. Mag auch alles im Leben Sinn haben, eine Niederlage oder ein Remis wären für Rapid absolut sinnlos. Boli weiß das – und lächelt gewinnbringend. (Christian Hackl, 22.9.2017)

    • Boli Bolingoli-Mbombo möchte in Hütteldorf Geschichte schreiben – seine eigene und auch die des Vereins.
      foto: apa/hans punz

      Boli Bolingoli-Mbombo möchte in Hütteldorf Geschichte schreiben – seine eigene und auch die des Vereins.

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