"Pensionsparadies Österreich" geht im deutschen Wahlkampf um

21. September 2017, 13:40
284 Postings

Viel höhere Pensionen in Österreich machen die Deutschen neidig. Allerdings zahlen sie auch viel weniger ein

Es klingt fast paradiesisch: Statt zwölf werden in Österreich jährlich 14 Renten ausbezahlt, das Rentenniveau liegt bei fast 80 Prozent. In Deutschland zurzeit nur bei knapp 48 Prozent – Tendenz sinkend. Allerdings greifen auch in Österreich weitreichende Änderungen aus der Regierung unter Wolfgang Schüssel (ÖVP) erst nach Ablauf von Übergangsfristen voll.

Das hat verschiedene Gründe: Der Beitragssatz in Österreich ist höher ist als in Deutschland. Arbeitgeber müssen in Österreich statt 9,35 Prozent 12,55 Prozent einzahlen, Arbeitnehmer statt 9,35 Prozent 10,25 Prozent. Außerdem zahlen alle Erwerbstätigen ein. In Deutschland zahlen Selbstständige freiwillig, geringfügig Beschäftigte können sich befreien lassen, und Beamte zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. In Zahlen ausgedrückt: 71 Prozent der Menschen in Österreich im Erwerbsalter zahlen ein, in Deutschland sind es 64 Prozent.

Will man das österreichische System in Deutschland umsetzen, wäre ein höherer Beitragssatz als im Nachbarland erforderlich. Das liegt daran, dass zurzeit in Österreich mehr junge Leute auf Menschen im Rentenalter kommen. Auf einen Menschen im Rentenalter kommen 3,4 Personen im Erwerbsalter – in Deutschland sind es 2,9.

Rente höher, Pflege geringer?

Einen Nachteil gibt es aber, behaupten "Münchener Merkur" und "Augsburger Allgemeine".

Laut den Berichten soll es in Österreich keine verpflichtende Pflegeversicherung geben. Ein Rentner müsse also im Alter für seine Pflege selber aufkommen. Das stimmt nur teilweise, denn Geld gibt es schon: Die staatliche Pflegeversicherung wird aus Steuermitteln finanziert. Wer aber möchte, kann noch eine zusätzliche Versicherung abschließen. Diese Standardleistungen sind für alle Versicherten gleich, im Vergleich zu Deutschland allerdings je nach Pflegestufe geringer. In Deutschland fallen 2,6 Prozent für eine Pflegeversicherung an.

Im aktuellen Vergleich schneidet Österreich also tatsächlich besser ab. Allerdings ist fraglich, ob sich diese hohen Beiträge auch in Zukunft auszahlen lassen. Denn auch in Österreich findet der demografische Wandel statt. Die Zahl der zahlenden Erwerbstätigen sinkt, die Belastung der Staatskasse steigt. Ob sich das hohe Rentenniveau halten lässt, bleibt offen.

Hier noch eine Übersicht in einer Tabelle:

(red, 21.9.2017)

Der Artikel wurde von der deutschen Rechercheplattform correctiv.org erstellt.

Weiterführende Links:

Die Einbußen, die auf künftige Pensionisten zukommen

Artikel im Münchener Merkur

Artikel in der Augsburger Allgemeinen

Kommentar in der Süddeutschen

Share if you care.