Mindestlohn in Österreich – Fragen und Antworten

20. September 2017, 11:23
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DER STANDARD erklärt die Basics: Gibt es einen Mindestlohn? Was steht im Kollektivvertrag? Und wie sieht es in anderen Ländern aus?

Das Thema Mindestlohn wird in Österreich immer wieder heiß diskutiert. Viele Menschen fragen sich, wie die aktuelle Lage eigentlich aussieht – und ob sie für ihre Arbeit genug ausgezahlt bekommen. Wir haben einige Fragen zum Thema Mindestlohn beantwortet:

Gibt es in Österreich einen Mindestlohn?

Jein. In Österreich gibt es keinen allgemein festgelegten gesetzlichen Mindestlohn. Allerdings gibt es aktuell für fast jede Branche sogenannte Kollektivverträge. Diese werden zwischen den Sozialpartnern (Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer und Gewerkschaftsbund) vereinbart und beinhalten alle Rechte der jeweiligen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einer Branche. Gibt es für eine gewisse Branche einen Kollektivvertrag, so ist dort auch der jeweilige Mindestlohn festgelegt.

Wie hoch ist der Mindestlohn in Österreich?

Im Juni einigten sich die Sozialpartner darauf, dass in Kollektivverträgen bis 2020 ein Lohn von mindestens 1.500 Euro brutto monatlich eingeführt werden soll.

Aktuell unterscheidet sich die Höhe des Mindestlohns noch nach Branchen, als absolutes Minimum kann allerdings von 8,50 Euro brutto pro Stunde ausgegangen werden. Bei 40 Wochenstunden entspricht das einem Wochenlohn von 340 Euro brutto, bei vier Wochen kommt man somit auf mindestens 1.360 Euro brutto. Der Mindestlohn ist bei den meisten Kollektivverträgen jedoch höher angesetzt.

Wo finde ich den für mich geltenden Kollektivvertrag?

Eine gute Übersicht über die in Österreich gültigen Kollektivverträge findet man hier.

Über die Suchleiste lässt sich mit dem Stichwort "Gastronomie" zum Beispiel der Kollektivvertrag für Angestellte im Hotel- und Gastgewerbe finden. Im letzten Drittel des Vertrages gibt es dann eine Gehaltstabelle, in der die jeweiligen Mindestlöhne klar festgelegt sind. Angestellte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung müssen somit in Wien in Gast- und Schankbetrieben im ersten Dienstjahr monatlich mindestens 1.560 Euro brutto erhalten.

Wie viel bleibt mir vom Mindestlohn netto übrig?

Es gibt im Internet einige Brutto-netto-Rechner, die oft eine gute Orientierungshilfe bieten – zum Beispiel unseren eigenen.

Geht man von dem vorigen Beispiel aus, bleiben einem Angestellten in einem Wiener Gastbetrieb von seinen 1.560 Euro brutto insgesamt 1.236 Euro netto, sofern er unverheiratet ist, keine Kinder hat und nicht mit dem eigenen Auto zum Arbeitsplatz fahren muss – alle diese Faktoren können den Nettobetrag beeinflussen.

Wie hoch ist der Mindestlohn in Deutschland?

In Deutschland gibt es seit dem 1. Jänner 2015 einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Er beträgt brutto 8,84 Euro pro Stunde (1.414,40 Euro pro Monat) und gilt für alle Arbeitnehmer und Praktikanten. Auch in Deutschland gibt es bestimmte festgelegte Mindestlöhne für unterschiedliche Branchen – diese wirken trotzdem noch, solange der für die Branche festgelegte Mindestlohn höher ist als die gesetzlich vorgeschriebenen 8,84 Euro.

Wie hoch ist der Mindestlohn in der Schweiz?

In der Schweiz gibt es, wie in Österreich, keinen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Im Jahr 2014 gab es zwar eine Volksabstimmung über die Einführung eines Bruttomindestlohns von 18,50 Euro pro Stunde, die Mehrheit stimmte jedoch dagegen. In manchen Kantonen, etwa Neuenburg, gilt allerdings ein regionaler Mindestlohn, der sich auf 20 Franken brutto pro Stunde beläuft – was umgerechnet 16,35 Euro brutto pro Stunde und 2.834 Euro brutto im Monat sind. (Johannes Arends, 21.9.2017)

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    Viele Menschen in Österreich fragen sich, ob sie auch das verdienen, was ihnen gesetzlich zusteht.

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