Bruder gibt an, 14-Jährige im Streit erstochen zu haben

    19. September 2017, 14:00
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    Er habe seine Schwester zur Rückkehr überreden wollen, weil sie den Eltern "Kummer" bereitete. Gegen den 18-Jährigen war bereits ein Verfahren wegen gefährlicher Drohung anhängig

    Wien – Nach der Tötung einer 14-Jährigen in Wien-Favoriten hat der Bruder des Opfers angegeben, seine Schwester im Streit erstochen zu haben. Er habe sie zufällig bei einer U-Bahn-Station getroffen und sie überreden wollen, nach Hause zurückzukehren, zitierte Polizeisprecher Harald Sörös am Dienstag aus der Einvernahme. Sie bereite "den Eltern Kummer", lautete ein Vorwurf des 18-Jährigen an das Mädchen.

    Nachdem sich der 18-Jährige am Montagvormittag kurz nach der Tat bei der Polizei gestellt hatte, wurde er bis in die Abendstunden von Ermittlern der Mordgruppe des Landeskriminalamts einvernommen. Der Afghane wohnt selbst nicht mehr bei seiner Familie, sondern nach eigenen Angaben abwechselnd bei Freunden und Bekannten. Seine Schwester war in der Vorwoche in ein Krisenzentrum des Jugendamts gezogen, weil sie sich daheim zu sehr eingeengt gefühlt hatte.

    Auseinandersetzung eskalierte

    Nach eigenen Angaben erkannte der Angeklagte seine Schwester in der Früh bei einer U-Bahn-Station und stellte sie zur Rede. Das Mädchen habe nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren wollen, daher seien die beiden in Richtung des späteren Tatorts in der Puchsbaumgasse gegangen, erläuterte Sörös. Dort ist nach Angaben des 18-Jährigen ein heftiger Streit entstanden, worauf sie von der Straße in den Innenhof eines Hauses gingen.

    Die Auseinandersetzung sei eskaliert, gab der Bruder an, daraufhin habe er seine Schwester mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt. Bei dem Messer handelte es sich um eine Waffe mit 20 Zentimeter langer Klinge, sagte Sörös. Der 18-Jährige hatte es am Tatort weggeworfen, die Ermittler stellten es sicher. Der Beschuldigte sollte am Dienstag in eine Justizanstalt überstellt werden.

    Familie wusste von nichts

    Der Festgenommene dürfte allein gehandelt haben. Die Familie hatte laut Sörös nichts davon gewusst und mit dem 18-Jährigen vor der Tat keinen Kontakt. Der Vater lebt demnach seit einigen Jahren in Österreich, seine Frau, die 14-Jährige und eine heute 16-Jährige Schwester sowie zwei Brüder folgten ihm mit der Zeit. Zwei weitere Söhne wurden bereits in Wien geboren. Die gesamte Familie bekam damals Asyl zugesprochen.

    Der 18-jährige Verdächtige ist in strafrechtlicher Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt. Am Landesgericht für Strafsachen ist ein Verfahren wegen Betrugs, Hehlerei und gefährlicher Drohung gegen ihn anhängig, das sich bereits im Hauptverhandlungsstadium befindet.

    Termine platzen lassen

    Er hat allerdings schon zwei Verhandlungstermine platzen lassen, bestätigte der Wiener Anwalt Leonhard Kregcjk, der den Jugendlichen in diesem Verfahren vertreten hätte sollen, am Dienstag. Nachdem er beim ersten Mal unentschuldigt nicht erschienen war, wollte ihn die zuständige Richterin zum nächsten Termin am 11. September zwangsweise vorführen lassen. Die Polizei traf den Burschen an seiner Adresse aber offenbar nicht an. "Die Vorführung hat nicht geklappt", sagte Kregcjk, der im nunmehrigen Mordverfahren vorerst kein Mandat des 18-Jährigen hat.

    In U-Haft ist der Bursch bis zum Tötungsdelikt nicht gesessen, da es sich bei seinen bisherigen Verfehlungen um Fälle von Kleinkriminalität gehandelt hat. Laut Staatsanwaltschaftssprecher Thomas Vecsey soll der Afghane im April 2016 ein Handy gekauft haben, obwohl er wusste, dass dieses gestohlen war. Im Oktober soll er gemeinsam mit einem Bekannten einem Mann vorgemacht haben, er könne diesem ein Taxi nach Serbien besorgen. Die beiden sollen dafür im Voraus 600 Euro kassiert, den Mann aber im Regen stehen haben lassen. Die gefährliche Drohung bezieht sich auf einen Zwischenfall im Dezember, als der 18-Jährige einen Zugbegleiter in Furcht und Unruhe versetzt haben soll, als dieser seinen Fahrschein kontrollieren wollte. (APA, red, 19.9.2017)

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