CDU-Generalsekretär: "Rechtsradikalen keinen Meter Boden geben"

    Interview19. September 2017, 08:43
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    Peter Tauber sieht trotz guter Umfragen die Kanzlerschaft Angela Merkels nicht gesichert und will "Schwarz-Rot-Gold" nicht den Rechtsradikalen überlassen

    STANDARD: Vor allem im Osten wird Kanzlerin Angela Merkel bei ihren Wahlkampfauftritten gnadenlos ausgepfiffen. Was ist da los?

    Tauber: Wir sollten nicht nur über diese Störer reden, denn genau das wollen sie. Wichtig sind die, die zu unseren Veranstaltungen kommen und zuhören, die ihre Fragen und Sorgen diskutieren wollen, denen es darum geht, was wir in den nächsten Jahren für starke Familien, lebenswerte ländliche Regionen und den digitalen Fortschritt tun werden.

    STANDARD: Haben Sie den Frust und die Wut unterschätzt?

    Tauber: Da stehen 50 oder 100 rechtsextreme Schreihälse, die halten ein AfD-Plakat und zeigen an anderer Stelle ihre rechtsextreme Gesinnung. Aber da stehen auch mehrere Tausend ganz normale Leute. Und die haben einen Anspruch darauf, dass über sie geredet und berichtet wird. Den Rechtsradikalen darf man keinen Meter Boden preisgeben. Aber das macht man nicht, indem man verzagt schaut, sondern indem man sagt: Das ist unsere Republik. Schwarz-Rot-Gold sind unsere Farben, wir sind stolz auf sie und wollen die Werte, für die sie stehen, verteidigen.

    STANDARD: Die Union führt in Umfragen. Haben Sie Sorge, dass viele nicht wählen gehen, weil sie denken, Merkel gewinnt ohnehin?

    Tauber: Für die letzten Tage sind die Umfragen ein guter Ausgangspunkt, klar. Aber wir kämpfen bis zum Sonntag um jede Stimme, denn: Herr Schulz hat Rot-Rot-Grün nicht ausgeschlossen, FDP-Chef Lindner nicht die Ampel. Also müssen wir immer wieder sagen: Wer Angela Merkel weiter als Kanzlerin will, muss CDU wählen. Wir haben keine Stimme zu verschenken.

    STANDARD: Auch nicht an die FDP, die Merkel mal den natürlichen Koalitionspartner nannte?

    Tauber: Meine politische Lieblingsfarbe ist ausschließlich Schwarz – und das ist bei allen Christdemokraten so.

    STANDARD: Mittlerweile können sich viele ja auch Schwarz-Grün oder Jamaika (Union, FDP, Grüne) vorstellen. Sie auch?

    Tauber: Es kommt auf die Inhalte an. Die Energiewende mit den Grünen zu organisieren ist echt schwierig. Und mit den Liberalen bei der inneren Sicherheit was auf die Beine zu stellen, ist auch nicht einfach – wenngleich wir mit der FDP insgesamt schon die größten Schnittmengen haben.

    STANDARD: Bliebe eine große Koalition. Da weiß man, was man hat.

    Tauber: Wenn ich mir die Sozialdemokraten so anschaue, habe ich das Gefühl, die brauchen dringend mal eine Erholungspause in der Opposition.

    STANDARD: Beunruhigt Sie Rot-Rot-Grün noch? Es wird dafür wohl ohnehin nicht reichen.

    Tauber: Ja, weil Herr Schulz, falls es möglich ist, sich mit den Stimmen der Linken zum Kanzler wählen lassen wird. Die CDU ist die einzige Partei, die sagt: Mit den Rändern machen wir keine Politik – weder mit AfD noch mit der Linkspartei. Die SPD eiert rum.

    STANDARD: Was finden Sie so schrecklich an der Linken?

    Tauber: Sie ist in der Wirtschafts-, Außen- und Sicherheitspolitik Lichtjahre von der CDU entfernt. Und sie rechtfertigt außerdem das DDR-Unrecht.

    STANDARD: Horst Seehofer verteilt schon mal Jobs und will den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zum Bundesinnenminister machen. Räumt Thomas de Maizière einfach das Feld?

    Tauber: Dass Joachim Herrmann ein erfolgreicher Innenminister ist und mit Thomas de Maizière gut zusammenarbeitet, das bestreitet ja keiner. Beide zeigen: Die innere Sicherheit ist bei der Union bestens aufgehoben.

    STANDARD: Die CDU stellt bereits seit zwölf Jahren den Bundesinnenminister. Warum sollen die vielen neuen Stellen bei der Polizei erst jetzt kommen?

    Tauber: Wir haben ja in den vergangenen Jahren schon viele neue Polizeistellen geschaffen und wollen die Zahl in Bund und Ländern nochmals um 15.000 erhöhen.

    STANDARD: Am Wahlabend sind Sie zufrieden, wenn ...

    Tauber: ... wir mit deutlichem Abstand vorne liegen und Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt. Und dann bin ich als Generalsekretär vor allem stolz auf unsere Ehrenamtlichen, die einen tollen Wahlkampf gemacht haben – ob bei den Infoständen oder an den Haustüren. (Birgit Baumann, 19.9.2017)

    Peter Tauber (43) ist Historiker und seit 1992 CDU-Mitglied. Er sitzt seit 2009 im Bundestag und ist seit Dezember 2013 CDU-Generalsekretär.

    Weiterlesen: Vier Jahre Schwarz-Rot in Deutschland: Die größte Aufgabe stand nicht im Koalitionsplan

    • CDU-Generalsekretär Peter Tauber managt für Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel den Bundestagswahlkampf.
      foto: apa / afp / patrik stollarz

      CDU-Generalsekretär Peter Tauber managt für Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel den Bundestagswahlkampf.

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