Experte: Ryanair bereitet sich auf Stillstand bei Air Berlin vor

18. September 2017, 14:12
33 Postings

Die Flugausfälle bei Ryanair hängen mit der Hoffnung auf Start- und Landerechte von Air Berlin zusammen, sagt Berater Gerald Wissel

Dublin/Berlin/Schwechat – Überraschend hat Ryanair zuletzt bekanntgegeben, bis Ende Oktober täglich dutzende Flüge zu streichen. Grund seien die mangelnde Pünktlichkeitsquote und Umstellungen wegen der Urlaubspläne.

Die aktuellen Flugstreichungen beim irischen Billigflieger könnten nach Einschätzung eines Luftverkehrsexperten jedoch einen ganz anderen Hintergrund haben. Das Unternehmen bereite auf den Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss, sagte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

"Im Fall eines vorzeitigen Groundings der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden", sagte Wissel. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, sagte Wissel. Die irische Gesellschaft hat nach eigenen Angaben nicht für Betriebsteile der Air Berlin geboten.

400 Ryanair-Maschinen

Trotz eines stetigen Zugangs von neuen Boeing-Jets war bisher die Flotte der Ryanair mit aktuell 400 Maschinen restlos verplant. Am Freitag hatten die Iren bekanntgegeben, bis zum Ende des Sommerflugplans (Ende Oktober) täglich zwischen 40 und 50 Flüge zu streichen. Das seien weniger als zwei Prozent des täglichen Angebots von rund 2.500 Verbindungen.

Als Gründe nannte die passagierreichste Fluggesellschaft Europas die mangelnde Pünktlichkeitsquote im aktuellen Flugplan sowie eine Umstellung bei den Urlaubsplanungen für die Crews. Man benötige einige Standby-Maschinen, um die Pünktlichkeit des Gesamtsystems wieder auf einen Schnitt von 90 Prozent zu heben.

Stillstand soll verhindert werden

Ein Stillstand der Air Berlin soll wegen der weitreichenden Konsequenzen durch den vom Bund verbürgten KfW-Kredit über 150 Millionen Euro verhindert werden. Er ist aber gleichzeitig das größte Risiko für die Bieter in dem Verkaufsverfahren, zu dem bis Freitag Angebote abgegeben werden konnten.

Eine Entscheidung soll laut Air Berlin am kommenden Montag bekanntgegeben werden. Bis zu einem Vertragsabschluss könnten aber noch Wochen oder sogar Monate vergehen. In dieser Zeit müsste die Air Berlin ihren Flugbetrieb mithilfe des Kredits selbst aufrechterhalten.

EU-Kommission fordert zur Einhaltung der Regeln auf

Die EU-Kommission hat Ryanair zur Einhaltung der Regeln aufgefordert. Angesichts der Streichung zahlreicher Flüge verwies ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Montag darauf, dass in solchen Fällen mehrere Maßnahmen zum Schutz der Passagiere greifen, unter anderem Entschädigungen. Die Kommission werde die Entwicklung genau verfolgen, vor allem ob Ryanair die Gesetze respektiert.

Die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair streicht in den kommenden sechs Wochen bis zu 2.100 Flüge, um nach eigenen Angaben die Pünktlichkeit ihrer Maschinen zu verbessern. In dem Zeitraum sollten täglich 40 bis 50 Flüge ausfallen, also insgesamt 1.680 bis 2.100, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Ryanair entschuldige sich "aufrichtig bei der geringen Zahl von betroffenen Passagieren" und werde sein Möglichstes tun, um sie umzubuchen oder zu entschädigen, sagte der Sprecher. Passagiere reagierten empört. Der Twitter-Feed von Ryanair quoll vergangenen Freitag über mit Kommentaren entnervter Fluggäste, deren Flüge gestrichen worden waren. Viele beschwerten sich, dass sie vorher nicht rechtzeitig informiert worden waren. (APA, 18.9.2017)

  • Ryanair will bis Ende Oktober jeden Tag bis zu 50 Flüge streichen, Experten sehen einen Zusammenhang mit Air Berlin.
    foto: apa/andreas arnold

    Ryanair will bis Ende Oktober jeden Tag bis zu 50 Flüge streichen, Experten sehen einen Zusammenhang mit Air Berlin.

Share if you care.