Volksanwaltschaft kritisiert mediale Darstellung von Kinderarmut

    18. September 2017, 09:48
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    Studie: Nur drei Prozent untersuchter Fälle berichteten über die Potenziale der Betroffenen

    Wien – Die Volksanwaltschaft übt sich in Medienkritik: Eine aktuelle Studie beleuchtet die Berichterstattung über sozial benachteiligte Kinder. Für Volksanwalt Günther Kräuter sind die Ergebnisse "alarmierend", wie er am Montag in einer Pressekonferenz sagte. In nur drei Prozent der untersuchten Fälle berichteten Medien über die Potenziale und Talente, die Betroffenen selbst kämen kaum zu Wort.

    Die Medienanalytikerin Maria Pernegger (MediaAffairs) hatte bereits im Vorjahr in Zusammenarbeit mit der Volksanwaltschaft die Darstellung von Menschen mit Behinderung in Massenmedien untersucht. Auch die aktuelle Studie zeige dringenden Handlungsbedarf, so Kräuter. "Die Potenziale und Talente der Kinder und Jugendlichen müssen stärker sichtbar gemacht werden. Sie sollen und können selbst für sich sprechen."

    Sozialexperte Martin Schenk forderte ebenfalls auf zu handeln: "Die Studie zeigt uns, dass wir Kinder in ihrer Alltagsrealität in den Blick bekommen müssen. Wie es ihnen dabei geht, den kranken Papa zu pflegen. Was es bedeutet, in feuchten Wohnungen zu wohnen. Wie das ist mit Freunden. Wie die Mama es schafft mit drei Jobs. Oder was es heißt, mit Mindestsicherung zu leben. Es geht um eine andere Perspektive: es geht darum, was Kinder können, was Kinder sagen und was sie brauchen."

    Pernegger stellt die Studie auch im Rahmen des NGO-Forums der Volksanwaltschaft am 18. September vor. Das NGO-Treffen dient zum jährlichen Austausch mit der Zivilgesellschaft. Heuer steht das Thema: "Kinder und Jugendliche schützen – Gewalt verhindern" im Fokus. Zu diesem Thema verfasst die Volksanwaltschaft auch einen Sonderbericht, der dem Nationalrat vorgelegt wird. Die Ergebnisse der Studie und des NGO-Forums werden in den Sonderbericht einfließen, kündigt Kräuter an. (APA, 18.9.2017)

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