Parlamentsmehrheit für Rundfunkgebühr, Wahlkonfrontation ORF 1 gegen Puls 4

18. September 2017, 07:00
5 Postings

Die Medien tagen, "Daheim" dellt noch, Details zur Champions League

1. Wahlkonfrontation: Puls 4 gegen das gebeutelte ORF 1

Sie kommt vom Küniglberg und sitzt jetzt, wo der ORF einmal hin sollte. Und sie soll wohl Puls 4 dorthin bringen, wo ORF 1 wohnt, oder besser weiter: Montag hat Stefanie Groiss-Horowitz, die bis zum Sommer 20 Jahre am ORF-Programm mitentwickelte, offiziell ihren ersten Arbeitstag als Senderchefin von Puls 4.

ORF 1 kommt Groiss gerade entgegen – nein, nicht geografisch nach St. Marx, das hat sich doch wohl erledigt. Aber die Quoten – ORF 1 schaffte diesen Samstag nur noch auf 5,6 Prozent beim Gesamtpublikum, einer der allerschlechtesten Werte seiner Geschichte. Neun Prozent in der Werbezielgruppe und 8,8 beim Publikum bis 29 Jahre.

Puls 4 kam da auf 3,1 Prozent (Gesamtpublikum), 5,2 (Werbezielgruppe) und 2,8 bei den Jungen. Das österreichische Publikum an dem Samstag war vor allem bei RTL (aber auch ORF 2 hatte mehr Tagesmarktanteil in der Werbezielgruppe, und beim Gesamtpublikum auch die ARD). Samstag punktete RTL vor allem mit "Supertalent", sonntags schon seit Wochen auch in Österreich mit der Athletik-Challenge "Ninja Warrior".

foto: mg rtl d / stefan gregorowius
"Ninja Warrior", derzeit dicker Quotenpolster für RTL auch in Österreich, ab Oktober auf Puls 4. Im Bild: Mirko Künstler aus Odenthal in der deutschen Variante.

Ab Oktober zeigt Puls 4 eine österreichische Version von "Ninja Warrior", produziert in Budapest. Man darf auf die Quote gespannt sein.

Gleich am Montag messen sich ORF 1 und Puls 4 quoten-politisch: Die erste Ausgabe von "Nationalraten" mit Matthias Strolz (Neos), eine Präsentationsfläche für Spitzenkandidaten mit Quiz-Rahmen, tritt um 20.15 in ORF 1 gegen einen Doppeleinsatz von SPÖ-Chef Christian Kern auf Puls 4 an – der diskutiert erst mit Ulrike Lunacek und, immerhin nicht zeitgleich mit ORF 1, mit Strolz.

Vorigen Montag hatte Puls 4 mit Strache gegen Lunacek und Strolz zwischen 262.000 und 314.000 Zuschauer (Schnitt pro Sendungsteil). Ich würde nur ungern wetten, wie das Match diesen Montag ausgeht.

A propos Quote und ORF:

2. Das "Daheim"-Bulletin

Nein, es gibt in dieser kleinen Kolumne kein wöchentliches Bulletin über die Quotenentwicklung von "Daheim in Österreich" und damit der Schlüsselzone ORF-2-Vorabend. Aber Erfinder und Sendungschef Roland Brunhofer sagte vorigen Dienstag im Publikumsrat, die Montagsendung (Schnitt 295.000 Zuschauer, Marktanteil 24 Prozent) sei die erste nach seinen Vorstellungen gewesen. Da sollte ich, schon der Fairness halber, nach den Quotenbeispielen vor einer Woche doch auch die Entwicklung solcher "Daheim"-Ausgaben zeigen.

Das wären nun die Zuschauer- und die Marktanteilsentwicklung von der "ZiB" um 17 Uhr über "Aktuell in Österreich" und "Daheim in Österreich" (ab 17.30 bis zum Werbeblock um 18:25) und "Heute konkret" (ab 18.30) in der vorigen Woche beim Gesamtpublikum ab zwölf Jahren:

3. Wenn Medien einander schultern

"Vorwärts schauen": Die Österreichischen Medientage des Manstein-Verlags ("Horizont", "Bestseller") machen's heuer unter diesem Motto praktisch wie die Etat-Wochenschau. Großer Bahnhof gleich am Wiener Zentralbahnhof am Mittwoch und Donnerstag, erstmals im äußerst gelungenen Erste Quartier. Das Programm, wie gewohnt voller großer und bekannter Namen der österreichischen und auch internationalen Medienwelt, finden Sie hier.

Da lese ich zur Einstimmung gerne, wie anderswo ähnliche Themen verhandelt werden, vielleicht gar österreichischer als in Österreich: In der Schweiz haben die öffentlich-rechtliche SRG, Telekomriese Swisscom und der große Boulevardverlag Ringier ("Blick") 2015 eine gemeinsame Werbevermarktungsfirma gegründet. So weit kam's noch nicht einmal im medienkonzentrationsbewährten Österreich. Wie forsch die Schweizer Player über den Zusammenschluss debattieren können, schildert der Branchendienst Persoenlich.com recht anschaulich ("Von Fake News und miesen Spielen").

An den österreichischen Medientagen wird es wohl wieder einmal recht einhellig um Schulterschlüsse gehen, über deren Ausgestaltung dann doch wieder viele sehr unterschiedlicher Meinung sein können.

Der ORF zum Beispiel versucht in diesen Wochen wieder recht intensiv, die Verleger mit einer gemeinsamen Online-Werbevermarktungsplattform ins Boot zu holen und bei der Gelegenheit eine Reihe gesetzlicher Beschränkungen seiner Onlinewerbemöglichkeiten über Bord gehen zu lassen – etwa von Werbe-Targeting. Devise: Gegengewicht zu den globalen Werbemarktbeherrschern Google, Facebook und Co.

Auf deren Werbebesteuerung drängt der ORF ebenso recht vehement. Wenn sie sich in der Praxis durchsetzen lässt: ein Beitrag zur steuerlicher Gleichbehandlung.

4. Parlament für Rundfunkgebühr

In der Schweiz schließen sich gerade die Schultern vieler Parlamentarier – gegen eine Initiative zur Abschaffung von Radio- und Fernsehgebühren. "Billag" heißt die GIS-Gebühr auf Schweizerisch, und die Initiative recht klar "No Billag". Sie hat dieses etwas handgestrickte Logo:

foto: www.nobillag.ch screenshot
Logo der Schweizer "No Billag"-Initative.

Vorigen Donnerstag hat der Schweizer Nationalrat die Debatte über eine "No Billag"-Vorlage aufgenommen, zudem liegt ein Vorschlag der SVP vor, die Gebühr mit 200 Franken zu begrenzen. Weil Dutzende Abgeordnete etwas dazu sagen wollen, wird erst am 25. September über die Initiativen abgestimmt – Schweizer Medien rechnen mit breiter Ablehnung.

Im Juni 2015 stimmte in der Schweiz eine sehr knappe Mehrheit in einer Volksabstimmung für eine Rundfunkabgabe für alle Haushalte, wie sie Deutschland schon seit 2013 einhebt. ÖVP-Mediensprecher Gernot Blümel sprach sich vorige Woche wieder einmal gegen eine Haushaltsabgabe aus.

Wo wir schon beim Zahlen sind...

6. Champions League: Wer was zeigt

Diese Woche wollten Sky und Dazn nach meiner Erinnerung bekanntgeben, wer wieviele Begegnungen der Champions League zeigt. Für die Rechte legen die beiden Bezahlplattformen gemeinsam ein paar hundert Millionen Euro hin, auf dass kein Livespiel mehr im Free TV läuft. Nach bisher kolportiertem Stand zeigt Dazn weit mehr Begegnungen, Sky alle Konferenzschaltungen, der Murdoch-Sender hat zudem Auswahlrechte für Livespiele.

Bis der künftigen Modus für die österreichische Bundesliga im Fernsehen fixiert ist, könnte es noch ein wenig dauern. (Harald Fidler, 18.9.2017)

Die Etat-Wochenschau ist eine sehr subjektive Auswahl anstehender Ereignissen in der – vor allem österreichischen – Medien- und gelegentlich auch Werbebranche. Wie sich die Prognosen in der Medienrealität materialisieren, lesen Sie so rasch wie möglich auf derStandard.at/Etat.

Share if you care.