Schweizer "Tatort" als "Horror-Elegie": Wie sehen Sie die Zombie-Ermittlungen?

    Ansichtssache17. September 2017, 19:01
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    Ermittlungen unter und über Menschen, die eigentlich längst tot sein sollten – und es neuerdings auch sind

    Die Schweizer "Tatort"-Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard ermitteln Sonntagabend unter und über Menschen, die schon lange tot sein sollten – und es nun erst tatsächlich sind. Die Kritiker schrieben schon schlechter über Schweizer Sonntagskrimis. Und wie sehen Sie den "Tatort" "Zwei Leben?

    foto: orf/ard/daniel winkler

    Tote treten

    Ein Mann stürzt sich von einer Autobahnbrücke und wird von einem Bus erfasst, führt uns STANDARD-Kritiker Stefan Weiss ins Thema des Schweizer "Tatort" "Zwei Leben": "Der vemeintliche Selbstmord, der sich bald als Mord entpuppt, lässt beim Fahrer unverarbeitete Erinnerungen hochkochen. Im Schock holt er den Toten unterm Bus hervor und tritt schreiend auf ihn ein. Passanten filmen die unfassbare Tat. Den Ermittlern Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) – hier im Bild – wird bald bewusst: Hier muss nicht nur ein Todesfall geklärt werden, es wird auch darum gehen, einen weiteren zu verhindern."

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    Zombiesker Sog

    "'Zwei Leben' (Buch: Felix Benesch und Mats Frey, Regie: Fabian Römer) ist streckenweise klobig konstruiert, jeder ist hier irgendwie mit jedem verbandelt, das ist nicht immer ganz plausibel", urteilt Spiegel-Kritiker Christian Buß – wirkt freilich doch interessiert: "Aber als Krimidrama darüber, wie die Toten die Lebenden im Griff haben, entwickelt dieser "Tatort" einen zombiesken Sog."

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    foto: orf/ard/daniel winkler

    Konservative Schweizer

    "Könnte sich Flücki ausschließlich um seinen alten Kumpel Gisler (mit introvertierter Explosivität: Michael Neuenschwander, im Bild rechts) kümmern, hätte sich der ganze "Tatort" ausschließlich damit beschäftigen können, sichtbar, fühlbar zu machen, was mit einem geschieht, den Selbstmörder zum Opfer machen, 'Zwei Leben' wäre ein ziemlich großartiges Ding geworden." Also seufzt "Welt"-Kritiker Elmar Krekeler über den Schweizer "Tatort".

    Sein Aber: "Leider muss es noch einen richtigen Fall geben. Schweizer sind halt – will es das Klischee und die Erfahrung der bisherigen Luzerner Ermittlungen – eher konservativ. Um einen Bauskandal geht es, um betrügerische Insolvenz und mal wieder einen Mann, der im Tsunami umgekommen sein soll, es aber nicht ist."

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    foto: orf/ard/daniel winkler

    Packerl zu tragen

    STANDARD-Kritiker Stefan Weiss gewinnt "Zwei Leben" andere positive Seiten ab: "Immerhin atmosphärisch gewinnt Zwei Leben dadurch, dass auch die Nebencharaktere nicht gerade sorgenfrei durchs Leben gehen. Sein Packerl hat hier jeder zu tragen." (red, 17.9.2017)

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