Frauenpolitik der ÖVP: Die Mehrheit als Randgruppe

Kommentar15. September 2017, 16:49
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Im politischen Diskurs wird über "Frauenthemen" gesprochen, als handelte es sich um die Belange einer etwas lästigen Exotengruppe

Frauen sind die wahrscheinlich außergewöhnlichste aller Minderheiten. Vor allem natürlich, weil sie in Österreich knapp die Mehrheit bilden. Dennoch wird im politischen Diskurs wie am Stammtisch über "Frauenthemen" regelmäßig gesprochen, als handelte es sich um die Belange einer etwas lästigen Exotengruppe, bei der noch kein gesellschaftlicher Konsens herrscht, ob sie – zumindest, wenn es konkret wird – überall dieselben Chancen bekommen soll. Augenscheinlich wird dieses Phänomen im Programm der "neuen Volkspartei".

Die ÖVP-Frauenpolitik, knapp zusammengefasst: Frauen stehen dieselben Steuererleichterungen zu wie Männern, Menschen mit Kindern sollen mehr Geld bekommen, Kinderbetreuung gehört ausgebaut. Ohne Frage: Unterstützung für Familien ist wichtig, der Ausbau von Betreuung sowieso, und über allgemeine Steuererleichterungen freut sich das Volk, insbesondere jene, die gut verdienen.

Ausgelassen werden aber nahezu alle Themen, bei denen nicht auch die gesamte männliche Reichshälfte beruhigt nicken kann: Frauenquoten zum Beispiel. Oder ein gesetzlicher Mindestlohn, von dem man leben kann. Lohntransparenz wäre ein weiteres Schlagwort von vielen. Einiges davon fordern selbst die ÖVP-Frauen seit Jahren. Parteichef Sebastian Kurz konzentriert sich aber lieber auf die gefühlte Mehrheit, jene Majorität, wenn es um Einkommen, Vermögen und Spitzenjobs geht. Auf Männer eben. (Katharina Mittelstaedt, 15.9.2017)

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