Autokonzerne und Versorger basteln an europäischem E-Ladenetz

15. September 2017, 16:16
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Geplant sind zunächst 400 markenunabhängige Ladesäulen – Auch österreichische Versorger mischen in diesem Markt mit

Frankfurt/Wien – Die Autobranche treibt ihre Pläne zum Aufbau eines europaweiten Netzes an Schnell-Ladestationen für Elektroautos voran. "Die Kooperation ist startbereit", sagte Daimler-Forschungschef Ola Källenius am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. Noch in diesem Jahr soll das Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Daimler, Ford und Volkswagen mit der Installation von Schnell-Ladestationen in Europa beginnen.

Geplant sind zunächst 400 markenunabhängige Ladesäulen, bis 2020 sollen es tausende Stromzapfstellen mit bis zu 350 Kilowatt Leistung werden.

Die deutschen Autobauer bereiten sich damit auf das erhoffte Absatzwachstum bei Elektroautos vor, das sie mit zig neuen Modellen in den kommenden Jahren vorantreiben wollen. Die neuen Stromautos sollen auch lange Strecken von bis zu 600 Kilometern zurücklegen können. Dazu müssten auf lange Sicht so viele Strom- wie Kraftstofftankstellen an der Autobahn erreichbar sein.

Netz dichter knüpfen

Die Autobauer sind aber nicht die einzigen, die das noch lückenhafte Ladestellennetz immer dichter knüpfen wollen. Auch die E-Wirtschaft ist dabei.

Aus Deutschland etwa sind auch die Energiekonzerne E.ON und EnBW und die RWE-Tochter Innogy in den Markt eingestiegen. Aus Österreich mischen neben dem Verbund Landesversorger und kommunale Energieunternehmen für die Versorgung in Österreich mit.

Hinzu kommen Start-up-Firmen und Ölkonzerne. Das Rennen sei eröffnet und die Konkurrenz groß, sagte der Chef des britischen Start-up-Unternehmens InstaVolt, Tim Payne. Er hat 12 Millionen Pfund (13,3 Mio. Euro) eingesammelt, um bis 2020 rund 3.000 Ladepunkte in Großbritannien aufzubauen.

Reichweiten nehmen zu

Im Anfangsstadium konzentrierten sich die Unternehmen auf Ladestationen in den Städten – viel weiter kommen E-Autos ja bisher auch nicht. So bietet auch Daimler Wallboxen an, also an der Wand montierte Ladestellen für zu Hause oder das Büro etwa in Stromkastengröße. "Wir investieren einige zig Millionen Euro in Ladestationen", ergänzte Källenius.

Doch die Reichweiten werden immer größer. Dadurch sind auch immer mehr Ladestationen an Autobahnen und Landstraßen gefragt. Der US-Betreiber ChargePoint und der französische Energiekonzern Engie planen ein europaweites Netz an Schnell-Ladestationen, die die Batterie in weniger als einer halben Stunde aufladen statt über Nacht.

Experten sehen in dem Markt ein großes Zukunftsgeschäft. Heute gibt es in Europa nach Daten der Internationalen Energie Agentur erst weniger als 100.000 öffentliche Ladepunkte. Nur sechs Prozent davon sind Schnell-Ladestecker.

Steigender Bedarf

Bis 2030 könne der Bedarf an öffentlichen E-Ladepunkten in Westeuropa bei einer bis drei Millionen liegen, schätzen die Experten von Morgan Stanley. Zwar seien die Versorger dabei wegen ihrer traditionellen Geschäfte gut geeignet. Die sicheren Sieger seien sie aber damit noch nicht. "Das überlegene Geschäftsmodell steht noch aus", erklärten die Analysten."Heute verdient man mit Ladesäulen noch kein Geld", erläutert Jens Lorkowski vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Energieversorger, Autobauer und Kommunen hätten deshalb lange halbherzig nach cleveren Ansätzen gesucht.

Doch nicht nur der niederländische Anbieter EV-Box wittert jetzt starkes Wachstum. Im vergangenen Jahr machte die Tochter von Engie erst 16 Millionen Euro Umsatz und schrieb schwarze Zahlen. In drei bis fünf Jahren sei mit dem 20-fachen zu rechnen, erklärte Thierry Lepercq, Innovationschef von Engie. Der US-Elektroautopionier Tesla hat bisher weder mit seinen Autos noch mit dem selbst errichteten Ladestellennetz Gewinn gemacht. "Erfolg misst sich nicht ausschließlich am Gewinn", sagte Elke Temme, Co-Chefin für Elektromobilität bei Innogy. "Auf Sicht muss sich das Geschäft aber rechnen." (APA, 15.9.2017)

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    foto: apa/helmut fohringer

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