Vor Stahlfusion: Thyssenkrupp-Belegschaft befürchtet Zerschlagung

15. September 2017, 16:00
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Demonstration tausender Mitarbeiter am 22. September erwartet

Essen/Mumbai – Angesichts der Pläne für eine mögliche Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata haben Arbeitnehmervertreter bei Thyssenkrupp eine "dramatische Zuspitzung" der Lage beklagt. "Die Fusion mit Tata soll über unsere Köpfe hinweg entschieden werden, obwohl wir seit über einem Jahr vor den erheblichen Risiken und Konsequenzen für unsere Arbeitsplätze warnen."

Das stand in Flugblättern, die am Freitag von der IG Metall und dem Betriebsrat im Unternehmen verteilt wurden.

Die Fusion mit Tata Steel solle über die Köpfe der Belegschaft hinweg entschieden werden, obwohl die Arbeitnehmervertreter seit über einem Jahr vor den erheblichen Risiken warnten. "Andererseits droht auch eine vollständige Filetierung des Konzerns mit noch dramatischeren Konsequenzen für die Arbeitsplätze in allen Bereichen", so die Gewerkschafter.

Vollständige Filetierung

Es drohe eine vollständige Filetierung des Konzerns mit "noch dramatischeren Konsequenzen" für die Arbeitsplätze, hieß es. Betriebsrat und Gewerkschaft haben am kommenden Freitag (22.9.) zu einer Demonstration in Bochum aufgerufen, zu der nach Angaben eines IG-Metall-Sprechers mindestens 5.000 Teilnehmer erwartet werden. Am darauf folgenden Wochenende stehen die Fusionspläne auf der Tagesordnung einer Sitzung des Aufsichtsrats. Der Betriebsrat hat bereits eine Ablehnung der Pläne durch die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium angekündigt.

Die IG Metall hatte auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zu den Protestkundgebungen eingeladen. Dieser musste aber nach Parteiangaben aus terminlichen Gründen seine Teilnahme an der Demonstration zwei Tage vor der deutschen Bundestagswahl absagen. Zu den Rednern auf der Demo gehören der NRW-Chef der IG Metall, Knut Giesler, Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath sowie der frühere IG-Metall-Chef und heutige stellvertretende Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel.

Standorte gefährdet

Die deutschen Stahlkocher befürchten, dass bei einem Zusammenschluss mit Tata zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen und Standorte geschlossen werden.

Am Samstag, dem 23. September, soll der Aufsichtsrat des Konzerns über die Pläne beraten. Thyssenkrupp hatte erklärt, dass die Verhandlungen mit Tata weit fortgeschritten seien und es noch in diesem Monat zu einer Grundsatzvereinbarung kommen könnte. Thyssenkrupp Steel Europe mit Hauptsitz in Duisburg beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter.

Offen ist, wie der Vertreter des Finanzinvestors Cevian im Aufsichtsrat stimmen wird. Die Schweden halten 15 Prozent an Thyssenkrupp und sind damit der zweitgrößte Einzelaktionär nach der Krupp-Stiftung mit 23 Prozent. Medienberichten zufolge reicht Cevian eine Fusion der Stahlsparte nicht aus. Stattdessen forderten sie eine Aufspaltung des Konzerns, der neben Stahl auch Aufzüge, Anlagen, Autoteile und U-Boote baut. Cevian hatte sich zu den Berichten nicht äußern wollen. (APA, 15.9.2017)

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