Fink: "Nach neun Minuten war das Spiel gegessen"

    15. September 2017, 12:46
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    Milan bestrafte beim 1:5 eine "naive" Anfangsphase der Wiener – Nach Verletzungen nun große Personalprobleme in der Abwehr

    Wien – AC Milan hat zum Auftakt der Europa League für violette Ernüchterung gesorgt. Die Austria hatte im Heimspiel gegen die Italiener nicht den Funken einer Chance. Nach nicht einmal zehn Minuten lagen die Mailänder am Donnerstagabend im Happel-Stadion mit zwei Toren voran, schonten danach bereits Kräfte. Nach dem 1:5, der höchsten Heimniederlage ihrer Europacup-Geschichte, war im Lager der Wiener durchgehend von einer "Lehrstunde" zu hören.

    Thorsten Fink wollte sich mit der genauen Analyse des Gesehenen nicht lange aufhalten. "Nach neun Minuten war das Spiel gegessen", merkte der Austria-Trainer an. Da hatten der starke Hakan Calhanoglu und Andre Silva die Gäste früh vorangebracht, während etliche Zuschauer noch nicht einmal den Weg an den Sicherheitskontrollen vorbeigefunden hatten. Die Austria agierte in dieser Phase mitunter naiv, wobei vor allem Innenverteidiger Kadiri Mohammed mit viel zu viel Übermut an die Sache heranging.

    Nach nicht einmal einer Minute spielte der 21-jährige Ghanaer bei einem Dribbling vor dem eigenen Strafraum bereits mit dem Feuer, danach patzte er bei beiden Treffern. Fink verzichtete auf Schuldzuweisungen, sah die mangelnde Erfahrung auf der europäischen Bühne als entscheidenden Faktor. Der jugendliche Leichtsinn habe das Übrige zur völlig verunglückten Anfangsphase beigetragen.

    "Zu euphorisch, zu positiv, zu mutig" seien die jungen Austrianer zu Beginn aufgetreten, stellte Fink fest. "Wir haben uns nicht intelligent genug verkauft." So habe man entgegen dem Plan versucht, Milans Tempo mitzugehen. Ein unmögliches Unterfangen, wie auch der Treffer zum 3:0 bewies. Aus einem Austria-Angriff wurde binnen weniger Sekunden ein erfolgreicher Alleingang von Silva Richtung Osman Hadzikic. 20 Minuten waren da gespielt. Vom vor der Partie beabsichtigten "Ärgern" der Mailänder war spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die Rede.

    Zu viel Risiko

    Erfolglos die Kreise von Calhanoglu einzudämmen versuchte auch Florian Klein. Seine Analyse fiel deutlich aus: "Wir haben uns vorgenommen, mutig aufzutreten. Aber dann darf man nicht solche Fehler machen." Eine Meinung, die auch Heiko Westermann vertrat. Der Deutsche sah unnötig viel Risiko im Spiel. "Den Ball einmal wegzuschlagen ist auch gegen Milan keine Schande."

    Durch Westermanns verletzungsbedingten Ausfall kurz vor der Pause verlor die Austria einen weiteren Mann mit Erfahrung. Anstelle des 34-Jährigen rückte der 16 Jahre jüngere Alexandar Borkovic in die Innenverteidigung. Klein war mit seinen 30 Jahren zu diesem Zeitpunkt der deutlich älteste Austria-Spieler, kein anderer Violetter auf dem Platz war älter als 24.

    "Meine Jungs müssen einfach daraus lernen und die anderen Spiele gegen die anderen Gegner einfach anders gestalten. Da können wir uns messen, aber nicht mit Milan", kommentierte Fink. "Wir haben nicht mehr so viel Auswahl. Ich muss jetzt zaubern." Defensiv steht neben Kadiri nur noch Tarkan Serbest für einen Platz in der Innenverteidigung parat.

    "AS9"

    Für Milan hätte der Ausflug nach Wien dagegen kaum erfreulicher ausfallen können. Seine Elf habe die richtige Antwort auf die Niederlage bei Lazio (1:4) gegeben, sagte Trainer Vincenzo Montella. Die Qualität der Vorstellung der gesamten Elf sei wie jene von Einzelnen wie Dreifachtorschütze Andre Silva und Hakan Calhanoglu hoch gewesen. Der Deutsch-Türke habe als Einfädler und Torschütze zu überzeugen gewusst.

    Lob für das Duo gab es auch von Italiens Zeitungen. "Verzaubert von Andre Silva", titelte die "Gazzetta dello Sport" und meinte weiter: "Walzer in Wien, die Teuflischen tanzen." Die Austria sei "wenig fordernd, Milan fast perfekt" gewesen. Der Portugiese Silva wurde in Anlehnung an Cristiano Ronaldo als "AS9" bezeichnet. (APA, 15.9.2017)

    • Thorsten Fink war am Donnerstag im Prater auch als Tröster gefragt.
      foto: reuters/bader

      Thorsten Fink war am Donnerstag im Prater auch als Tröster gefragt.

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