"Kleine Komödie": Liebeslügen und Räubergeschichten

    14. September 2017, 16:55
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    Peter Simonischek und Brigitte Karner lesen Arthur Schnitzlers "Die kleine Komödie"

    Wien – Es ist ja nicht so, als brauchte man in Wien einen besonderen Anlass, um Arthur Schnitzler zu spielen. Das Volkstheater ist dem Autor aber ganz besonders verbunden, wurden hier doch mehrere seiner Stücke uraufgeführt. Und schließlich befindet sich das Haus seit 2016 nun auch offiziell am Arthur-Schnitzler-Platz.

    Am Mittwoch konnten Versatzstücke dieser Verbundenheit im Rahmen eines Schnitzler-Abends erlebt werden: Peter Simonischek und seine Frau Brigitte Karner lasen den Briefroman Die kleine Komödie. Doch bevor der Besucher auf der Tribüne Platz nahm, wurden Szenen der hier uraufgeführten Stücke (Märchen, Reigen, Anatol) an verschiedenen Ecken des Hauses gespielt. So schäkerte im Foyer die Dirne mit dem Soldaten aus dem Reigen (Marlene Hauser und Jan Thümer), fürs Stelldichein ging es geschwind vor die Tür. In der linken Garderobe zankten sich Fanny und Klara aus dem Märchen (Isabella Knöll und Laura Laufenberg) über Heiratsaussichten, während sich im rechten Flügel Anatol und Max (Andreas Patton und Rainer Galke) aus Anatol dessen lang vergangener Liebschaft Bianca erinnern.

    Wenig überraschend waren die altbekannten Szenen, die durch historisierende Kostüme brav wirkten. Umso mehr, als eine Episode gewaltig aus der Reihe tanzte: Der Dichter und die Schauspielerin aus dem Reigen (Lukas Holzhausen und Anja Herden) fahren auf eine Landpartie hinter die Tribüne, gewandet in plüschige Ganzkörperanzüge. Der Dichter wird buchstäblich zum Esel, die Schauspielerin zum grellrosa Gorilla. Die Lesung im Hauptprogramm kam ohne solche Kinkerlitzchen aus. Lebemann Alfred und Edelkokotte Josefine, fadisiert von den ewig gleichen Gesellschaften (Champagner im Prater, Walzer tanzen im Hotel Sacher), ersehnen eine neue Jugendliebe.

    Wie es der Zufall will, treffen sie einander, als beide ärmlich verkleidet auf die "Jagd" gehen. Ein Komödienspiel voller "vergnüglicher Lügen" beginnt. Man wandelt durch den Pötzleinsdorfer Wald statt durch den Ersten Bezirk und wähnt sich in einem grandiosen Abenteuer. Erste Ermüdungserscheinungen dann auf dem Land: Es wäre arg fad im untapezierten Zimmer, "hätte man sich nicht so lieb". Karner und Simonischek brachten diese feinen ironischen Nuancen von Schnitzlers Text vortrefflich zum Strahlen, das Publikum war begeistert. (Kathrin Heinrich, 15.9.2017)

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