Afrikanische Elefanten werden wegen Wilderern nachtaktiv

    14. September 2017, 11:52
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    GPS-Daten deuten auf Veränderungen des Verhaltens der Tiere vor dem Hintergrund menschlicher Bedrohung hin

    Paris – Wenn Elefanten sich durch Wilderer bedroht fühlen, verlegen sie zur Sicherheit einen Großteil ihrer Aktivitäten in die Nacht. Das berichten Forscher der niederländischen Universität Twente und des Kenya Wildlife Servic im Fachblatt "Ecological Indicators".

    Die Langzeit-Überwachung von 60 Elefanten mit GPS-Halsbändern in Kenia ergab demnach, dass die eigentlich tagaktiven Elefanten bei verstärkter Bedrohung dazu neigen, die Nacht zum Tage zu machen. Festus Ihwagi (Twente Uni) wertete für die Studie GPS-Daten aus den Jahren 2002 bis 2012 aus.

    Aktive Elefantenkühe

    In den Jahren 2010 bis 2012, in denen die Elefanten verstärkt von Wilderern bedroht worden waren, ergaben die Daten laut Ihwagi, dass die Elefanten "sich in der Nacht mehr bewegten als am Tag". Die afrikanischen Elefanten sind eigentlich tagaktiv. Das Vermeidungsverhalten war bei den 28 untersuchten weiblichen Elefanten noch ausgeprägter als bei den 32 männlichen.

    In Gefahrenbereichen reduzierte sich die Aktivität der Elefantenkühe am Tage auf die Hälfte des Normalwertes. Das könne kurzfristig eine erfolgreiche Überlebensstrategie sein, so Ihwagi. Er gehe aber davon aus, dass für die Elefantenkälber neue Gefahren entstünden, weil sie nachts von Löwen und Hyänen gejagt werden könnten. Darüber hinaus werde das Sozialleben der erwachsenen Elefanten durcheinander gebracht, was auch Auswirkungen auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit haben könne.

    GPS-Frühwarnsystem

    Die Zahl der afrikanischen Elefanten sank nach Erhebungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) im vergangenen Jahrzehnt um 111.000 Exemplare auf einen Bestand von 415.000 Tieren. Jedes Jahr werden von Wilderern rund 30.000 Elefanten erlegt. Im vergangenen Jahr wurde der Fall eines GPS-überwachten Elefantenbullen namens Morgan dokumentiert, der vom Südosten Kenias bis nach Somalia zog. Morgan legte die Strecke überwiegend mit Nachtmärschen zurück und verbarg sich tagsüber im Gebüsch.

    Die Tierschützer plädieren dafür, die GPS-Überwachung von Elefanten künftig als Frühwarnsystem zu nutzen. Wenn die eingehenden Daten darauf hinweisen, dass sich Elefanten in einer bestimmten Region verstärkt auf nächtliche Aktivitäten verlegen, könnte das für Ranger ein Anzeichen für die Präsenz von Wilderern sein. (APA, red, 14.9.2017)

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      foto: imago/westend61
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