Air-Berlin-Schicksal entscheidet sich nach deutscher Wahl

14. September 2017, 19:24
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Lauda bietet mit Thomas Cook 100 Millionen Euro für Teile von Air Berlin

Berlin/Wien – Ob Störmanöver gegen die Lufthansa oder ernstes Bestreben lässt sich derzeit kaum abschätzen, eines ist Niki Lauda aber gelungen: Die mit dem Touristikkonzern Thomas Cook und dessen Charterflieger Condor eingegangene Allianz, die für die insolvente Air Berlin bieten will, ist ein Überraschungscoup. Zwar hatte Lauda schon länger bekundet, die von ihm gegründete Air-Berlin-Tochter Niki zurückkaufen zu wollen, doch Zweifel an dem Manöver überwogen.

Und auch am Donnerstag meinten Insider weiterhin, dass Lufthansa der Favorit für den Zuschlag sei. Doch, so der Tenor in der Branche: Mit den schlagkräftigen Partnern werde es für den Kranich nicht leichter, seinen Marktanteil mit wenig Aufwand deutlich auszubauen. Die Allianz mit Condor und Cook, über die der Kurier zuerst berichtete, könnte zudem den Druck auf ein faires Verfahren erhöhen, war zu hören.

Entscheidung erst nach deutscher Wahl

Die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin entscheidet sich nun erst nach der deutschen Bundestagswahl. "Der Plan ist, am 25. September die endgültigen Entscheidungen zu treffen", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Bisher hieß es, der Gläubigerausschuss werde am 21. September entscheiden, wer den Zuschlag für Teile der Airline bekommen wird, darunter für die Wiener Tochter Niki.

Nach Angaben aus informierten Kreisen tagt der Aufsichtsrat von Air Berlin ebenfalls am 25. September. Interessenten müssen ihre Angebote bis morgen, Freitag, vorlegen. Die deutsche Bundestagswahl findet am 24. September statt. Der Verkauf von Air Berlin mit ihren rund 8.000 Beschäftigten gilt als politisch heikel – nicht zuletzt, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Mio. Euro weiterfliegen kann.

Deutsche Regierungsmitglieder wie Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernehmen kann. Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller hatte sich für den deutschen AUA-Mutterkonzern starkgemacht und gegen eine Übernahme durch den irischen Rivalen Ryanair plädiert.

Kritik an Abwicklung

Bis zuletzt hatte es heftige Kritik an der Abwicklung gegeben. Der 150-Millionen-Euro-Kredit der deutschen Bundesregierung diene vor allem dazu, Lufthansa nach einer Übernahme die Landerechte zu sichern, die im Fall einer Einstellung des Flugbetriebs marktneutral zu vergeben wären. Der Gründer der Billigairline Ryanair, Michael O'Leary sprach prompt von einem "abgekarteten Spiel".

Die Rede war von einem 100 Millionen schweren Gebot des Konsortiums, an dem Lauda 51 Prozent halten soll und das fristgerecht am Freitag eingebracht werde. Angenommen wird, dass die Mittel großteils von den beiden Partnern aufgebracht werden. Lauda will den von ihm begehrten Teil – 38 Air-Berlin-Flugzeuge inklusive Niki – zum Ferienreiseanbieter umbauen. Theoretisch könnten Lauda und Lufthansa das Rennen machen. Die AUA-Mutter spitzt auf 90 der 144 Air-Berlin-Flieger, es blieben somit ausreichend Maschinen für Lauda-Cook. Zudem haben der deutsche Unternehmer Rudolf Wöhrl und die Billigfluglinie Easyjet ein Angebot angekündigt.

Die jetzige Konstellation weckt freilich Erinnerungen. Anfang der 1990er-Jahre beteiligte sich Condor an Lauda Air. Condor gehörte damals: der Lufthansa.

Lauda hofft auf Hilfe von Politik und Kartellbehörden

Niki Lauda hofft derweil auf die Hilfe der Kartellbehörden. Vorige Woche habe Lauda Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) seine Aufwartung gemacht, um zu klären, ob er mit der Unterstützung der österreichischen Politik rechnen könne.

Das schreibt das Magazin "trend". Der Ex-Rennfahrer und einstige Niki-Gründer zähle vor allem auf die Kartellbehörden, was seine Chancen betrifft. Die deutsche Politik favorisiert eine weitgehende Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa. Die Wettbewerbsbehörden werden aber wohl Auflagen machen und könnten, so heißt es in dem Magazin, zum Beispiel den getrennten Verkauf von Niki verlangen. Die österreichische Air-Berlin-Tochter dient als Pfand für den deutschen staatlichen Rettungskredit über 150 Mio. Euro an die insolvente Air Berlin. (red, Reuters, APA, 14.9.2017)

  • Niki Lauda will Niki.
    foto: apa/dpa pool/uli deck

    Niki Lauda will Niki.

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