Berghütten: Drohnen statt Hubschrauber zur Versorgung

    13. September 2017, 18:56
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    Die umweltschonende Belieferung ist technisch möglich, rechtliche Rahmenbedingungen fehlen noch

    Wien – Das Leopold-Happisch-Haus im idyllischen Tennengebirge in Salzburg ist nicht einfach zu erreichen: Zu der auf 1.925 Meter Seehöhe gelegenen Berghütte gelangt man lediglich nach fünf- bis sechsstündigen Fußmärschen oder über seilversicherte Steige. Das Naturfreunde-Haus, das ohne Hüttenwirt durch ein innovatives Selbstverwaltungskonzept bewirtschaftet wird, kann nur per Hubschrauber versorgt werden.

    Für Günter Abraham, Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich, wäre die abgelegene Hütte ein Fall, für den auch ein innovatives Versorgungskonzept infrage kommt – für die Belieferung per Drohne. Die Zukunftsvision, die oft im Zusammenhang mit Lieferungen großer Internetkaufhäuser diskutiert wird, könnte in den Alpen eine – vielleicht noch sinnvollere – Anwendung für den umweltschonenden Transport von Lebensmitteln und Verbrauchsartikeln finden. Nicht nur Hubschrauberflüge, sondern auch Materialseilbahnen könnten zumindest zum Teil ersetzt werden.

    Erster Testflug

    Ende August wurde von den Naturfreunden der Einsatz von Lastendrohnen im alpinen Umfeld erstmals erprobt – auf der Pinzgauer Hütte nahe Zell am See. Dort flog ein Prototyp des Entwicklers Aerones SIA aus Lettland eine vorgegebene Strecke ab und setzte punktgenau wieder am Landeplatz auf.

    "Wir haben gezeigt, dass die Drohnenbelieferung für Berghütten technisch möglich ist", erklärt Abraham. "Die Transportdrohne trug eine mit 50 Kilogramm beladene Metallbox mit sich. Die Maximallast liegt bei dem Modell bei 100 Kilo, womit man für die Lebensmittelversorgung vieler Hütten das Auslangen finden würde." Bei Bauten und Sanierungen müssten dagegen weiterhin Helikopter mit ihrer Kapazität von 800 bis 900 Kilo zum Einsatz kommen.

    Ziel: Autonom fliegen

    Die oft mehr als 1.000 Höhenmeter, die zwischen Talort und Hütte liegen, wären für die Drohnen kein Problem: Sie erreichen immerhin eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern, und in den Akkus ist Energie für zwölfminütige Flüge.

    Beim Testflug wurde die Lastendrohne per Hand von einem der Entwickler gesteuert. In der künftigen Praxis sollte das den Vorstellungen Abrahams zufolge aber anders aussehen. "Unser Ziel ist, dass die Drohne nicht mehr ferngesteuert werden muss, sondern autonom eine vordefinierte GPS-Route abfliegt, die zur Hütte führt", erklärt der Naturfreunde-Geschäftsführer. Route und Flugtage müssten mit Grundeigentümern, Bundesforsten, Tourismusverbänden und anderen Interessengruppen abgesprochen werden.

    Für autonome Drohnenflüge müssen allerdings erst die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Allein für den Testflug des Prototyps musste ein aufwendiges Genehmigungsverfahren inklusive Übermittlung 60-seitiger Unterlagen durchlaufen werden.

    Senner könnten profitieren

    Abraham sieht Potenzial nicht nur bei Berghütten, die Wanderern Kost und Logis geben. Auch Senner, Halter und andere Bergbewohner könnten profitieren. "Mit den Drohnen würden die Hütten geräusch- und geruchsarm sowie emissionsfrei beliefert werden", so das Resümee. "Sie wären auch ein guter Ersatz für Lastenlifte, die nicht gerade zur Verschönerung der Landschaft beitragen."

    Bei der Frage nach möglichen Akzeptanzproblemen gibt sich der Naturfreunde-Geschäftsführer diplomatisch: "Alles, was neu ist, wird skeptisch betrachtet. Neue Technologien müssen durch Leistung überzeugen." Ist also zu erwarten, dass in fünf Jahren tatsächlich erste Hütten mit Transportdrohnen beliefert werden? Abraham: "Die Technologie schreitet in diesem Bereich so rasch voran. Ich halte das für realistisch." (Alois Pumhösel, 14.9.2017)

    • Der erste Lastendrohnenflug bei der Pinzgauer Hütte in Salzburg.
      foto: ionica / studio kopfsache

      Der erste Lastendrohnenflug bei der Pinzgauer Hütte in Salzburg.

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