Die Austria soll ein Ärgernis sein

14. September 2017, 09:30
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Mit dem Heimheuler gegen den AC Milan eröffnet die Austria am Donnerstag die Gruppe D der Europa League. Die Wiener hoffen die dramatisch verstärkten Rossoneri gerade noch rechtzeitig zu erwischen, bevor deren Werkl wie geschmiert läuft

Wien – Humor ist nicht die schlechteste Waffe der Unterlegenen. Weshalb der Pressechef der Wiener Austria die frohe Kunde, dass dem heutigen Heimspiel gegen den AC Milan deutlich mehr als 30.000 Zuseher beiwohnen werden, ein "das mag am AC Milan liegen, aber wir haben zuletzt auch attraktiv gespielt" nachschob. Jedenfalls werden wesentlich weniger Italiener Austria schauen kommen – 2000 Tifosi sind avisiert – als Österreicher die Startruppe von Coach Vincenzo Montella. Die schwebte nach einer vormittäglichen Abschlussübung daheim im Trainingszentrum Milanello am frühen Mittwochabend in Wien ein und wird den Rasen des Happel-Stadions erst kurz vor Anpfiff einem Test unterziehen.

Überheblichkeit signalisiert das nur vielleicht, eher deutet es auf eine gewisse Unaufgeregtheit bei den Rossoneri, für die die Gruppenphase der Europa League kaum die gleiche Bedeutung hat wie für den heutigen Gastgeber. Die Austria hat in ihrer langen Geschichte zwar schon Parma, Inter Mailand, Juventus Turin, Torino und Roma, aber eben noch nie die Associazione Calcio Milan bespielen dürfen.

Gerade die Erinnerung an die Roma, an das 3:3 gegen Francesco Totti und Kollegen vor etwa mehr als einem Jahr im Olympiastadion (ebenfalls in der Gruppenphase der Europa League) nährt die Hoffnung auf eine Überraschung zum heurigen Start. "Es ist alles angerichtet für ein großes Spiel", sagte Thorsten Fink. "Wir konnten Roma ärgern, vielleicht geht das mit Milan auch."

Verborgene Zuversicht

Der deutsche Coach der Austria, der als Spieler des FC Bayern nur einmal, 1997 im sogenannten Opel Master Cup das Vergnügen mit Milan hatte, wirkte bezüglich einer neuerlichen Überraschung zuversichtlicher, als er sagen wollte. Milan offenbarte am Samstag beim 1:4 in Rom gegen Lazio Abstimmungsschwächen, die in den sechs Saisonpflichtspielen davor durch letztlich positive Ergebnisse übertüncht wurden. "Natürlich war das Lazio", sagte Fink. "Und im Fußball gilt noch immer, dass es besser ist, einmal hoch zu verlieren, als dreimal 0:1. Es war aber gut, das im Stadion zu sehen." Dass beim durch rund 200 Millionen Euro schwere Großeinkäufe gestärkten Gegner noch nicht alle Räder ineinandergreifen, sei selbstverständlich. Es brauche Klasse, das aufzuzeigen. "Der AC Milan ist für uns nicht schwierig zu durchschauen, aber sicher schwierig zu halten."

Seinen diesbezüglichen Plan wollte Fink nicht vorab verraten, "dann muss ich mich nachher auch nicht rechtfertigen, warum er nicht funktioniert hat". Die Austria war am Sonntagabend beim 2:2 gegen den Wolfsberger AC ebenfalls nicht gerade atemberaubend, "aber wir wollen doch zeigen, das ist die Austria, die das Trainerteam Fink in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat. Die sollen sich auch ein bisschen nach uns richten müssen."

Anfang ist leicht

Bei Sportdirektor Franz Wohlfahrt klang das noch ein wenig bestimmter: "Unser Team hat Mut, Qualität, vor allem aber hohe Ziele. Ich hoffe, wir starten mit einem Punkt in die Gruppe." Die Zähler zur ersten Überwinterung im Europacup seit 13 Jahren – 2005 war erst im Viertelfinale des Uefa-Cups gegen Parma Schluss – muss die Austria dann ohnehin gegen die weiteren Gruppengegner AEK Athen und HNK Rijeka holen.

Gegen Milan, sagte Heimkehrer Florian Klein, sei nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen. "Man kann im Cup auch gegen einen Dritt- oder Viertligisten verlieren." Da hat der ehemalige Teamverteidiger seine Austria ganz ohne Humor aber gar arg kleingeredet. (Sigi Lützow, 14.9.2017)

Europa League, Gruppe D, 1. Spieltag, Donnerstag

FK Austria Wien – AC Milan
Ernst-Happel-Stadion, 19 Uhr, live Puls 4 und Sky, SR Serdar Gözübüyük (NED)

Mögliche Aufstellungen:

Austria: Hadzikic – Klein, Kadiri, Westermann, Martschinko – Serbest – Tajouri, Holzhauser, Prokop, Pires – Monschein

Ersatz: Pentz – Borkovic, Gluhakovic, Salamon, Lee, De Paula, Friesenbichler

Es fehlen: Grünwald, Almer, Venuto (rekonvaleszent), Ruan, Alhassan (beide keine Arbeitsgenehmigung)

Milan: G. Donnarumma – Musacchio, Bonucci, Romagnoli – Abate, Kessie, Biglia, Antonelli – Calhanoglu – A. Silva, Kalinic

Ersatz: Storari – Zapata, Calabria, Bonaventura, Locatelli, Montolivo, Suso, Cutrone

Es fehlen: Conti (Knöchelverletzung), Borini, Rodriguez, Mauri (alle nicht im Kader)

Parallelspiel: HNK Rijeka – AEK Athen

Nächste Runde am 28. September: Athen – Austria, Milan – Rijeka (jeweils 21.05 Uhr)

  • Milan soll die Austria sehen, die das Team Fink entwickelt hat.
    foto: apa/hochmuth

    Milan soll die Austria sehen, die das Team Fink entwickelt hat.

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