Erderwärmung: Was aus Asiens Gletschern wird

13. September 2017, 20:06
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Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird ein Drittel der Eismasse verschwunden sein – im allerbesten Fall, zeigt eine neue Studie

Utrecht/Wien – Etwa zehn Prozent der Landfläche unseres Planeten sind heute von Gletschern bedeckt, doch der Rückgang der Eismassen schreitet zügig voran. Ein internationales Forscherteam hat nun im Fachblatt Nature modelliert, wie sich der Gletscherschwund in den Gebirgen Asiens in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird. Nach der Arktis und der Antarktis lagern dort die größten Eisreserven der Welt.

Das Ergebnis: Im günstigsten Fall werden die Gletscher in dieser Region bis zum Ende des Jahrhunderts ein gutes Drittel ihres Eises verlieren. Voraussetzung für dieses Szenario ist allerdings, dass die ambitionierten Ziele der 21. UN-Klimakonferenz in Paris 2015 vollständig umgesetzt würden: Die globale Erwärmung müsste auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Wert begrenzt bleiben – und das ist nicht gerade wahrscheinlich.

Gesellschaftliche Folgen

Werden keine oder nur unzureichende Maßnahmen zur Eindämmung der Klimaerwärmung umgesetzt und die Ziele verfehlt, sieht die Prognose deutlich anders aus: Bei einem Anstieg auf 3,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter würde der Eisverlust im asiatischen Hochgebirge 49 Prozent betragen, bei vier Grad 51 Prozent und bei sechs Grad ganze 65 Prozent, also fast zwei Drittel der Eismassen.

Die Relevanz dieser Entwicklungen für die Menschen in der Region liegt auf der Hand: Das Schmelzwasser der Gletscher ist für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Wasserkraft von großer Bedeutung. Erst kürzlich warnten Wissenschafter in "Plos One", dass derartige Folgen für die Gesellschaften in besonders betroffenen Gebieten bisher zu wenig Beachtung finden würden.

Für ihre aktuelle Studie kombinierten Philip Kraaijenbrink von der Universität Utrecht und Kollegen Satellitendaten aus Erdbeobachtungsprogrammen mit regional unterschiedlichen Gletschermodellen. Erstmals wurde dabei auf einer großen Skala auch das genaue Ausmaß der Schuttbedeckung der Gletscher berücksichtigt: Solche Ablagerungen auf dem Eis beeinflussen die Schmelzentwicklung stark.

Mehr Daten nötig

"In dieser Hinsicht stellt der Beitrag einen echten Wissensgewinn dar, der es uns erlauben wird, die künftige Entwicklung der Gletscher und damit auch des Abflusses in diesen Regionen viel besser abzuschätzen", kommentierte der selbst nicht an der Studie beteiligte Klimawissenschafter Markus Stoffel von der Universität Genf das Ergebnis.

Als "Wermutstropfen" wertete der Forscher allerdings, dass bisher nur wenige systematische Beobachtungsdaten der asiatischen Hochgebirgsgletscher vorliegen. "Modelle müssen somit auch heute noch gewisse Annahmen treffen, für die in den Alpen beispielsweise jahrzehntelange Zeitreihen zur Verfügung stehen."

Ganz verschwinden werden die Gebirgsgletscher Asiens bis zum Ende des 21. Jahrhunderts immerhin nicht: Der Studie zufolge müsste der globale Temperaturanstieg etwa elf Grad Celsius betragen, und davon geht keines der Modelle für diesen Zeitraum aus. (David Rennert, 13.9.2017)

  • Blick auf den Shalbachum-Gletscher im Gebirgsmassiv Langtang Himal im Zentralhimalaja. Das Schmelzwasser der Gletschersysteme ist von großer ökologischer und gesellschaftlicher Bedeutung.
    foto: walter immerzeel

    Blick auf den Shalbachum-Gletscher im Gebirgsmassiv Langtang Himal im Zentralhimalaja. Das Schmelzwasser der Gletschersysteme ist von großer ökologischer und gesellschaftlicher Bedeutung.

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