Kinder von älteren Vätern sind evolutionär weniger fit

14. September 2017, 09:00
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Nachkommen von Vätern in höherem Alter zeugen selbst weniger eigene Kinder

Göttingen – Zahlreiche Studien der letzten Jahre wollen Belege dafür gefunden haben, dass eine späte Vaterschaft gewisse Risiken für die Nachkommen birgt. So stellten etwa eine dänische und eine schwedische Untersuchung fest, dass Kinder, die von einem Vater jenseits der 45 gezeugt wurden, eine höhere Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen aufweisen. Aufgrund der verringerten Spermienqualität könnten auch andere, körperliche Schäden häufiger vorkommen, als bei jüngeren Vätern.

Nun haben Forscher Hinweise darauf entdeckt, dass sich späte Vaterschaft auch auf die Fortpflanzung der nächsten Generation und damit letztlich auf die gesamtgesellschaftliche evolutionäre Fitness auswirken kann. Die Untersuchung zeigte, dass Kinder älterer Väter selbst weniger eigene Kinder zeugen. Darüber hinaus ergab die Untersuchung: Je älter der Vater bei der Befruchtung ist, desto größer ist die Anzahl neuer genetischer Mutationen, die er an das Kind weitergibt.

Durchschnittsalter der Eltern steigt

Das durchschnittliche Alter von Eltern bei der Geburt ihrer Kinder steigt in Industrieländern seit den 1970er-Jahren. Je älter der Vater bei der Befruchtung ist, desto größer ist die Anzahl neuer genetischer Mutationen, die er an das Kind weitergibt. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Göttingen hat in einer historisch und international vergleichenden Studie herausgefunden, dass Kinder älterer Väter selbst weniger eigene Kinder zeugen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" erschienen.

Die Wissenschafter werteten Daten zu Familien aus vier Populationen über vier Jahrhunderte aus. In drei präindustriellen Populationen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert sowie einer schwedischen Kohorte aus dem 20. Jahrhundert untersuchten sie insgesamt über 1,4 Millionen Individuen. Das durchschnittliche Fortpflanzungsalter blieb über die Jahrhunderte vergleichbar, weil die meisten Menschen zwar heutzutage später anfangen, sich fortzupflanzen, insgesamt aber weniger Kinder bekommen und deshalb jünger wieder aufhören als frühere Generationen.

Evolutionäre Fitness sinkt

Die durch die Väter weitergegebenen Mutationen werden mit erhöhtem Risiko von körperlichen und psychischen Krankheiten wie einer Störung im Knochenwachstum (Achondroplasie) und Autismus, aber auch mit reduzierter Intelligenz in Zusammenhang gebracht. "Es ist also zu erwarten, dass diese Mutationen im Mittel die evolutionäre Fitness senken", so der Erstautor der Studie, Ruben Arslan vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen. "Es besteht die Sorge, dass in der heutigen Zeit sowohl das Aufkommen von Mutationen erhöht, als auch die Kraft der natürlichen Selektion gegen Mutationen geschwächt ist."

Die Auswertung der Datensätze ergab, dass im Vergleich mit ihren Geschwistern die Kinder älterer Väter eher in der Kindheit sterben und selbst weniger Kinder haben. Die Unterschiede sind recht klein, aber auf gesamtgesellschaftlicher Ebene relevant. Das Forscherteam nutzte den Indikator Vateralter, um indirekt zu verstehen, was für Auswirkungen neue Mutationen auf Kinder haben – unter Berücksichtigung weiterer, nicht genetischer Störfaktoren.

"Die negativen Effekte des Vateralters sind im modernen Schweden trotz deutlich reduzierter Kindersterblichkeit, moderner Medizin und sozialen Transfers noch ähnlich stark wie in den präindustriellen Populationen", so Arslan. "Dies spricht indirekt gegen die Sorge einer steigenden Mutationslast unserer Gesellschaft." (red, 14.9.2017)

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