ORF-Jahr: Auf die "Vorstadtweiber" folgt eine "Drecksau"

    Ansichtssache13. September 2017, 14:54
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    Neu: "Tagespresse aktuell", "Nationalraten", "Stadtkomödien" – Mehr "Vorstadtweiber", "Landkrimis", "Copstories" und "Dancing Stars" ab Herbst

    Wien – 430 Millionen Euro Gesamtbudget steckt der ORF ins Programm 2018. Ein üppiges Programmbouquet mit viel Bewährtem und rarer Innovation schnürt der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Zeiten der Sparvorgabe. 400 Erstausstrahlungen stellten Generaldirektor Alexander Wrabetz und Programmchefin Kathrin Zechner am Dienstag vor.

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    Jürgen Maurer "Harri Pinter, Drecksau".

    Zwischen Comedy und Krimi können Zuschauer bei Fiction wählen. Spielfilme sind fast durchwegs Mordgeschichten, etwa in neuen "Landkrimis" aus Oberösterreich mit Josef Hader ("Die Tote im See"), der Steiermark mit Miriam Stein und Hary Prinz ("Steirerkind") und Wien mit Tobias Moretti ("Achterbahn").

    Manuel Rubey, Nora Waldstätten und Erwin Steinhauer sind bei der Fortsetzung der dänisch-deutsch-belgisch-österreichischen Koproduktion "The Team" dabei.

    Philipp Hochmair klärt als sehbehinderter Kommissar in "Blind ermittelt". Eben abgedreht hat Ursula Strauss mit finalen Folgen von "Schnell ermittelt".

    "Die Copstories" gehen mit zwei neuen Staffeln und Weihnachtsspecial auf Sendung. Krimis nach realen Begebenheiten erzählt "Fokus Mord". Steinhauer in der sechsten und letzten Ausgabe von Alfred Komareks "Polt"-Krimis: alt, aber Polt. Ebenfalls auf ORF 2 hat Florian Teichtmeister als rollstuhlfahrender Krimineser in "Die Toten von Salzburg" ein Comeback.

    Josef Hader führt das Pendant zu den "Landkrimis" an: "Die Notlüge" ist seine erste "Stadtkomödie", ebenfalls dabei: Pia Hierzegger. In Kärnten spielt Jürgen Maurer "Harri Pinter, Drecksau" (Foto). "Herrgott für Anfänger" vereint Deniz Cooper, Katharina Straßer, Erni Mangold, Lukas Resetarits und Harald Krassnitzer. Zu "Kebab extrascharf" lädt Wolfgang Murnberger mit Andreas Vitásek. Neues von den "Vorstadtweibern" ist für 8. Jänner 2018 veranschlagt.

    Maria Happel und Martina Ebm geben Anwältinnen in "Recht oder Gerechtigkeit". Eine letzte Ehre geben sich die Staatskünstler am 19. Dezember mit einer abschließenden Jahresbilanz. Kaiser Robert Palfrader gibt weiter Audienzen.

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    Hanno Settele und Lisa Gadenstätter in "Nationalraten".

    Echte Innovation hält sich in Grenzen, ORF 1 hat zwei davon: ab 18. September mit der Quiz-Talkshow "Nationalraten". Satirisch der Zugang von "Tagespresse aktuell" mit aberwitzigen Fake-News fürs Fernsehpublikum.

    Den weitaus größeren Teil von ORF 1 füllen wohl auch 2018 Kaufserien, schon ab 25. September kommt "You Are Wanted". Matthias Schweighöfer erntete auf Amazon nicht ungeteilte Zustimmung, eher einhellig kritisch fiel das Urteil zu "Magda macht das schon" von RTL aus.

    Bei "Big Little Lies" teilt sich der ORF die Ausstrahlung mit Vox, außerdem kommen "American Housewife", "Kevin Can Wait", "The Fosters" und "Chicago Justice".

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    Maria Theresia (v.l.): Anna Posch, Marie-Luise Stockinger, Julia Stemberger

    Wichtige Persönlichkeiten bestimmen ORF 2, etwa Robert Dornhelms "Maria Theresia" mit Marie-Luise Stockinger im Zweiteiler als Monarchin. Christiane Hörbiger ist "Muse des Mörders", weiters in "Das Rätsel ums russische Blut" als "Professorin Kramer" zu sehen. Harald Krassnitzer macht "St. Josef am Berg", Iris Berben "Die Protokollantin".

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    Lukas Resetarits

    Für geschichtliche Ereignisse ist "Menschen & Mächte" zuständig: 100 Jahre Russische Revolution (18. Oktober), 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg, 80 Jahre "Anschluss", 50 Jahre Prager Frühling, 250 Jahre Andreas Hofer.

    Darüber hinaus stehen Dokus über "Jugend zwischen Abstiegsangst und Aufstiegstraum" (23. November), Porträts von Widerstandskämpfer Robert Bernardis und Kanzler Kurt Schuschnigg sowie Heldenbilder im Wandel auf dem Programm. "Universum History" setzt "Unser Österreich" fort.

    In Kulturdokus und Porträts wird unter anderen Egon Schieles, Leonard Bernsteins, Martin Luther Kings und Otto Wagners gedacht und Felix Mitterer, Peter Handke, Hermann Nitsch, Christa Ludwig und Lukas Resetarits zu runden Geburtstagen gratuliert.

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    Crossmedial verfährt "Homo Digitalis": Das Projekt besteht aus einer siebenteiligen Webdoku-Serie, einer interaktiven Website und einer TV-Doku über die Auswirkungen der digitalen Revolution ab 18. Oktober.

    Aktuelles handeln die "Dok eins"-Reportagen ab: Stefan Sagmeisters Suche nach dem Glück in "The Happy Film" (20. September) etwa oder "Free Lunch Society" über das bedingungslose Grundeinkommen. Robert Schabus hinterfragt in "Bauer unser" das Agrarsystem.

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    Die große Sause bei den Shows wird einmal mehr "Dancing Stars" – ab Herbst 2018. "Echt jetzt?", fragen Mirjam Weichselbraun und Andi Knoll. "Klein gegen Groß" wird mit der ARD fortgesetzt mit sieben neuen Shows, die erste am 4. November. Am 25. Dezember peitscht Helene Fischer wieder durch die Nacht. "9 Plätze 9 Schätze" sind wieder gefragt, außerdem mit einer weiteren Show, in der die schönsten Plätze zum Heiraten gesucht sind.

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    Was fehlt? Die mehrfach angekündigte Reform des ORF-1-Vorabends: Der ORF arbeite "höchst ambitioniert" daran, verspricht Kathrin Zechner und will "im Herbst nächsten Jahres etwas für das Publikum höchst Verblüffendes" anbieten.

    Ein Plan B für "Daheim in Österreich"? Der ORF-General bleibt angesichts sich anfangs durchwachsen entwickelnder Marktanteile vage: "Wir schauen uns das genau an."

    "Heimatgeschichten" von Elizabeth T. Spira liegen vorerst auf Eis, ebenso das "Vorstadtweiber"-Pendant "Männerschmerzen". Zechner verweist auf Kapazitäten von Autor Uli Brée. (prie, 13.9.2017)

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