Schlechte (Klima-)Prognosen für Kaffeetrinker

14. September 2017, 08:00
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In Mittelamerika, dem Hauptanbaugebiet für Kaffee, könnten wegen des Klimawandels die Anbauflächen bis 2050 um bis zu 88 Prozent zurückgehen

Washington/Wien – Es sieht nicht gut aus für die Liebhaber des belebenden und weltweit beliebtesten Getränks, jedenfalls in den nächsten Jahren und Jahrzehnten: Bereits jetzt sinkt die Kaffeeproduktion in Ländern wie Brasilien und Vietnam.

Doch die Zukunft könnte noch viel Schlimmeres bringen, prognostiziert ein internationales Forscherteam um Pablo Imbach (International Center for Tropical Agriculture, Hanoi) im Fachblatt "PNAS": Der Klimawandel könnte dazu führen, dass bereits in gut drei Jahrzehnten die wichtigsten Kaffeeanbauflächen der Welt, die in Mittelamerika liegen, um bis zu 88 Prozent zurückgehen.

Anspruchsvolle Pflanzen

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Kaffeepflanzen hohe Ansprüche haben: Sie brauchen gleichmäßige Wärme, halbschattige Standorte und viel Regen. Diese Anforderungen erfüllen Regionen in Mittelamerika und dem Norden Südamerikas. Aber auch in einigen Regionen Asiens und in Äthiopien gedeihen Kaffeepflanzen (noch) gut. Doch in Mittelamerika dürfte sich in den nächsten Jahren die Lage dramatisch verschlechtern.

Rückgang der Wildbienen

Imbach und seine Kollegen haben für ihre Studie freilich nicht nur untersucht, wie sich Niederschlag und Temperatur in den Anbaugebieten bis 2050 entwickeln werden und wo dadurch künftig keine Kaffeepflanzen mehr gedeihen können. Zusätzlich versuchten sie zu prognostizieren – und das ist das Neue der Studie –, wie sich der Klimawandel auf die insgesamt 39 Bienenspezies in dieser Region auswirkt, die für die unentbehrliche Bestäubung sorgen.

Besonders betroffen vom Klimawandel und dem Bienenrückgang sind laut den Forschern Nicaragua, Honduras und Venezuela, wo Kaffee im Tiefland kultiviert wird. Besser ist die Lage für die höher gelegenen Kaffeeplantagen in Mexiko, Guatemala, Kolumbien und Costa Rica. Hier können die Kaffeebauern teilweise noch in höhere und damit kühlere und regenreichere Lagen ausweichen.

Eine konkrete Gegenmaßnahme

Imbach und seine Kollegen schlagen aber auch eine konkrete Gegenmaßnahme vor: Mehr Bienen können durch mehr Bestäubung einen Teil der wahrscheinlichen Einbußen durch den Klimawandel wettmachen. Dafür wäre es umso wichtiger, Tropenwälder in unmittelbarer Nachbarschaft der Kaffeeplantagen zu erhalten und zu fördern. (tasch, 14.9.2017)

  • Ein Erntearbeiter in Guatemala mit Kaffeekirschen, in denen sich die noch unverarbeiteten Kerne (also die "Kaffeebohnen") befinden. Für dieses mittelamerikanische Land sehen die Prognosen noch vergleichsweise gut aus.
    ap/moises castillo

    Ein Erntearbeiter in Guatemala mit Kaffeekirschen, in denen sich die noch unverarbeiteten Kerne (also die "Kaffeebohnen") befinden. Für dieses mittelamerikanische Land sehen die Prognosen noch vergleichsweise gut aus.

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