SPÖ-Wahlkampf in Oberösterreich: Träumen im Konfettiregen

12. September 2017, 21:22
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3.000 Genossen feierten mit Christian Kern in Linz den Auftakt zum Intensivwahlkampf

Zumindest für wenige Stunden wich an diesem Abend die landespolitische Tristesse der roten Euphorie: Rund 3.000 Genossen strömten am Dienstagabend auf das sogenannte Maindeck des Ars Electronica Centers in Linz, um gemeinsam mit SPÖ-Spitzenkandidat Christian Kern in den Intensivwahlkampf zu starten.

Keine Selbstzweifel

Landesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer machte gleich zu Beginn ihrer Moderation deutlich, dass man sich in den roten Reihen zumindest coram publico nicht von Selbstzweifel plagen lasse: "Wir haben das beste Programm und die besten Kandidaten. Wir haben Profis statt Promis."

Dann lag es am Linzer Bürgermeister Klaus Luger, die Rolle des Einpeitschers entsprechend zu füllen. Luger erinnerte in seiner Rede daran, dass es "immer die Stärke der Sozialdemokratie war, Lösungen zu suchen und auch zu finden". Und:" Wir sind keine Bewegung, die nur Fehler aufzeigt und Schuldige sucht."

Bio-Eis und steirische Gefühle

SPÖ-Landeschefin Birgit Gerstorfer holte dann jene Genossen, die neben dem beim Wahlkampf gereichten Bio-Eis auch schon den Wahlsieg in Händen zu halten glaubten, zurück auf den harten Boden der roten Tatsachen: "Wir haben 33 Tage mit viel Arbeit vor uns – 33 Tage, um zu überzeugen, 33 Tage, um zu laufen, 33 Tage, um zu den Menschen zu kommen." Den Anwesenden wünschte Gerstorfer vor allem steirische Gefühle: " Nach dem offiziellen Wahlkampfauftakt der SPÖ in Graz hatte ich nur ein Gefühl in mir: Des gibt's doch net, dass jemand was anderes wählt als Christian Kern."

Viel Feuer für den roten Erlöser

Der Lorbeerkranz war damit überreicht – und dennoch galt es, den roten Spitzenkandidaten noch entsprechend in Szene zu setzen. Christian Kern wurde von Voest-Arbeitern in Hochofenmontur und mit bengalischem Feuer auf die Bühne geleitet. Erwartungsgemäß arbeitete sich der Bundeskanzler dann gewohnt emphatisch durch seinen Plan A.

Gewürzt war das Wahlmenü vor allem mit pathetischen Kurzepisoden ("Gestern hat mich ein Pensionist angesprochen – einfach so. Und seine Geschichte hat mich irrsinnig berührt ...") aus dem Alltag eines wahlkämpfenden Spitzenpolitikers. Man müsste eben eine Politik machen, "bei der wir spüren, was die Leute bewegt". Kern fuhr fort: " Es geht darum, dass wir unser Land erfolgreich machen. Und vor allem darum, dass die Menschen bekommen, was ihnen zusteht. Das hat nichts mit Klassenkampf zu tun – es geht um Fairness." Mit der Konkurrenz ging Kern auffallend hart ins Gericht: "Wenn das von der ÖVP ein Wirtschaftsprogramm ist, dann ist ein Jerry-Cotton-Heftl Weltliteratur."

Zum Abschluss dieser roten Nacht blickte Christian Kern dann noch einmal nachdenklich in den Linzer Nachthimmel und gab den Getreuen eine letzte Weisheit mit: "Ich bin nicht in die Politik gegangen, um meine Lebensträume zu realisieren. Es geht darum, die Träume der Menschen zu realisieren." Und ein bisschen träumen geht im abschließenden Konfetti-Regen gleich viel leichter. (Markus Rohrhofer, 12.9.2017)

  • Bundeskanzler Christian Kern in Linz im Ars Electronica Center.
    foto: alexander schwarzl

    Bundeskanzler Christian Kern in Linz im Ars Electronica Center.

  • Etwa 3000 Unterstützer feuerten den Spitzenkandidaten an.
    foto: alexander schwarzl

    Etwa 3000 Unterstützer feuerten den Spitzenkandidaten an.

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    foto: alexander schwarzl
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