Chris Roberts: "Star Citizen" wäre der schlechteste Scam der Welt

    12. September 2017, 10:20
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    Chefentwickler äußert sich zu der andauernden Kritik an dem größten Crowdfunding-Game der Gaming-Geschichte

    Es ist eines der ambitioniertesten Weltraumspiele, das je entwickelt wurde: "Star Citizen" soll Spielern in einem lebendigen Universum nicht nur den Flug in unbekannte Weiten ermöglichen, sondern auch den Kampf, Handel, die Erkundung von Planeten und Städten sowie bestimmt noch ein Dutzend weitere Aktivitäten der immer länger werdenden Feature-Liste. Definitiv ist es das größte Crowdfunding-Unternehmen, das es in der Gaming-Branche je gegeben hat: Mehr als 150 Millionen Dollar investierten interessierte Spieler seit 2012 bereits in das Projekt, in der Intention, die Umsetzung ihres Traumspiels mitfinanzieren zu können.

    Fünf Jahre später steht "Star Citizen", nach zahlreichen verpassten Deadlines, vor der Version Alpha 3.0, die Schöpfer Chris Roberts in einem aktuellen Interview als erste Version bezeichnet, die einige der grundlegenden Spielroutinen und -mechaniken integriert sowie erstmals die Persistenz von Spielcharakteren, Raumschiffen und Gegenständen in Bezug auf deren Zustand und Lokalität mit sich bringt. Roberts selbst spricht von einer Art Early-Access-Version.

    Zu viele Stolpersteine

    Erscheinen hätte die Alpha 3.0 im September, doch auch dieses Abgabedatum wurde verpasst. Schätzungen zufolge soll nun Mitte Oktober angepeilt werden. Aufgrund der zahlreichen Verschiebungen werden unterdessen die Stimmen der Kritiker nicht leiser. Spätestens seit der ursprüngliche Veröffentlichungstermin Mitte 2015 nicht gehalten werden konnte, finden sich unter jedem "Star Citizen"-Beitrag auch skeptische Kommentare, die von einer "Vaporware" sprechen.

    "Unsere Produktionsgruppe umfasst mehr als 30 Leute, die angefangen von 'Grand Theft Auto' bis 'World of Warcraft', 'Halo' und 'Destiny' bereits an allem gearbeitet haben. Das sind keine Amateure", sagt Roberts in einem aktuellen Interview gegenüber der Seite Eurogamer. "Es sind Dinge, die ich seit sehr langer Zeit mache, doch das Projekt ist so groß, es gibt so viel Entwicklungs- und Forschungsarbeit, so viele Wechselwirkungen, die sich auf den Zeitplan auswirken. Es mag länger dauern, als es uns lieb ist, länger, als wir dachten, doch unser Ziel ist es, genau darüber zu informieren, wo sich das Projekt gerade befindet."

    star citizen
    Die jüngste Präsentation zur Alpha 3.0 von "Star Citizen".

    Kein schlechter Betrug

    "Die Leute sagen immer noch, 'Chris, du hast mich angelogen', selbst wenn ich ihnen all diese Informationen rund um unsere Prognosen gegeben habe. Ich habe die Schnauze voll davon, Prognosen zu machen – lieber sage ich, 'hier sind die Daten, die ich habe, hier ist der Fahrplan, den ich sehe. Das ist, was wir uns erhoffen.' Softwareentwickler neigen dazu Optimisten zu sein – und das muss man sein, wenn man große Dinge baut. Trotzdem wird es immer Zyniker geben", sagt Roberts.

    "Es gibt eine Gruppe von Leuten, die sagen, 'dieses Ding wird nie erscheinen, es ist ein Scam (Betrug)'. Was einfach nicht wahr ist. Es wäre der schlechteste Scam der Welt. Wir stellen all diese Leute an, wir arbeiten wirklich hart. Wir zeigen jede Woche, was wir tun." Roberts eigenen Aussagen nach sei die Mehrheit der Fans zufrieden mit der Entwicklung. Die wirklich negativen Kritiker würden nur einen kleinen Prozentteil ausmachen, doch ihre Stimmen würden durch soziale Medien verstärkt.

    Der Entwickler sieht jedenfalls weiter optimistisch in die Zukunft. Nach dem großen Update 3.0 stehe bereits 3.1 an, womit "Star Citizen" in die Ausbauphase des Gameplays übergeht. "3.1 wird es ermöglichen, Schiffe zu kaufen. Und von da an werden wir mehr Features für spezifische Aktivitäten hinzufügen – Bergbau, Reparaturen und wir werden die Infrastruktur für das dynamische Universum ausbauen", so Roberts. Wann es soweit sein wird, bleibt einfach abzuwarten.

    bild: star citizen
    Roberts: "Softwareentwickler neigen dazu Optimisten zu sein – und das muss man sein, wenn man große Dinge baut."

    Wie konnte es zu diesem Erfolg kommen?

    Unterdessen hat "Star Citizen" auch das Interesse der Wissenschaft geweckt. Wie Spiegel Online berichtet, gehen drei deutsche Wirtschaftswissenschaftler der Frage nach, wie das Spiel zu dem Crowdfunding-Phänomen wurde, das es ist.

    "Wir glauben, dass da eine spezielle und besonders gute Form von Community-Pflege hintersteht", sagt einer der drei Forscher Philipp Ahrens, die im kommenden Wintersemester an der Universität Mannheim ein Forschungsseminar mit dem Titel "'Star Citizen': The Art of Going Beyond Crowdfunding in the Video Gaming Business" halten werden. "Wir hoffen, das auch statistisch festmachen zu können." Zudem interessiert die Wissenschafter, welche Management- und Leadership-Leistung, zu diesem Erfolg geführt hat. "Der Name 'Star Citizen' suggeriert: Hier bekommst du die Gelegenheit, dich an etwas Größerem zu beteiligen", sagt Forscher Andrew Isaak und unterstreicht die Visionäre Kraft des Projekts und seines Schöpfers. (zw, 12.9.2017)

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