Ein Angebot an die ÖVP

Kommentar12. September 2017, 08:39
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Kanzler Kern kämpft mit der Motivation seiner Funktionäre, Verteidigungsminister Doskozil versteht sich gut mit Sebastian Kurz

Die jüngsten Umfragewerte suggerieren eine Aufholjagd der SPÖ. Kanzler Christian Kern rückt wieder etwas näher an ÖVP-Chef Sebastian Kurz, den viele bereits als den nächsten Kanzler sehen, heran. Gebremst wird Kern dabei vor allem aus den eigenen Reihen, in denen sich Pannen an Missgeschicke und verunglückte Wahlkampftricks reihen.

Kern scheint auch mit Motivationsproblemen zu kämpfen – nicht mit eigenen, sondern mit jenen der Funktionäre. Während er selbst unverdrossen den Kanzleranspruch stellt und den Sieg anpeilt, werden hinter seinem Rücken Personalfragen für den Fall einer Niederlage gewälzt. Wird Kern tatsächlich in Opposition gehen, wie er das angekündigt hat? Wird er Bürgermeister in Wien? Bleibt er überhaupt in der Politik? Zwei Namen werden als potenzielle Nachfolger genannt: jener von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil und jener von Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner. Gegen Rendi-Wagner spricht, dass sie in der Partei kaum verankert ist – gegen Doskozil, dass er den streng rechten Flügel seiner Partei repräsentiert.

Doskozil wäre jedenfalls das Angebot an die ÖVP, falls eine neuerliche Koalition doch noch infrage kommt. Sein Verhältnis zu Kurz ist gut, wie er auch in einem gemeinsam mit ihm geführten Standard-Interview demonstriert hat. Aber noch ist Wahlkampf, und es gilt: Alle Roten gegen Kurz. Oder fast alle. Zumindest einige machen mit. (Michael Völker, 11.9.2017)

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