New York war, Wels ist, Wien wird sein

11. September 2017, 17:26
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Dominic Thiem tritt diese Woche für Österreich gegen Rumänien im Daviscup an. Die Gegner gehören nicht zur Weltspitze. In der Wiener Stadthalle wird die Sache komplizierter

Wien – Dominic Thiem ist kein Plaudertascherl. Selbstredend sei die Niederlage gegen Juan Martin del Potro bei den US Open analysiert worden, die Erkenntnis müsse man aber nicht in die Welt hinausblasen. "Es war extrem eng", sagte der österreichische Tennisprofi am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Hätte ich einen der beiden Matchbälle verwertet, hätten wir genau gar nichts analysieren müssen."

So ganz ist der Ärger nicht verflogen, ein wenig Seelenheil ließ sich aber in del Potros Viertelfinalerfolg gegen Roger Federer finden. "Da fühlt man sich ein wenig besser, vielleicht war die Leistung ja nicht so schlecht wie zunächst angenommen – auch wenn es an der Niederlage nichts ändert." Dass Rafael Nadal und Federer den Sport fast wie in alten Zeiten dominieren, mag den Laien erstaunen, der Profi ist Realist: "Die beiden sind absolute Ausnahmeerscheinungen, wohl die zwei besten Spieler aller Zeiten." Ob man als aufstrebender Youngster gar sehnlich auf einen Rücktritt der schier unverwüstbaren Ikonen wartet? "Nein, es ist für alle gut, wenn sie dabei sind."

Topbesetztes Turnier

Bei den Erste Bank Open 500 zwischen 21. und 29. Oktober in der Wiener Stadthalle wird man weder Federer noch Nadal sehen. Ein Spaziergang ist für Thiem trotzdem nicht zu erwarten. Neun Spieler aus den aktuellen Top 20 haben sich angesagt. Der deutsche Shootingstar Alexander Zverev, die Nummer vier der Welt, ist topgesetzt. Dahinter folgen Thiem, der Spanier Pablo Carreno Busta, der Kanadier Milos Raonic und der südafrikanische US-Open-Finalist Kevin Anderson. Der Franzose Gael Monfils, anderswo heißbegehrt, rutscht als Nummer 36 gerade noch ins Hauptfeld.

Bezüglich des verletzten Titelverteidigers Andy Murray hat Turnierdirektor Herwig Straka die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: "Er bleibt so lange auf der Liste, bis er seine Saison definitiv cancelt." Der Schotte sei zwar aus dem Vertrag entlassen worden, eine Wild Card behält man sich für den Weltranglistendritten aber noch in der Hinterhand.

Mit großen Versprechen hält sich Thiem angesichts des elitären Turnierrasters zurück. "Hier wird es schwieriger, die erste Runde zu überstehen, als bei einem Grand-Slam-Turnier." Die Erfahrungen der vergangenen Jahre mahnen den Niederösterreicher zur Vorsicht, mehr als das Viertelfinale 2014 steht bisher nicht zu Buche.

Gegenwart Daviscup

Wien ist Zukunft, die Gegenwart heißt Daviscup in Wels. Von Freitag bis Sonntag spielt Österreich gegen Rumänien um den Verbleib in der Europa/Afrika-Zone 1. Die Rumänen reisen mit einem frischgebackenen US-Open-Sieger an. Horia Tecau konnte an der Seite des Niederländers Jean-Julien Rojer den Doppelbewerb gewinnen. Die Favoritenrolle wird Österreich trotzdem annehmen müssen. Der rumänische Kapitän Andrei Pavel muss im Einzel auf Dragos Dima (ATP 568) und Nicolae Frunza (ATP 590) vertrauen, mit Marius Copil (ATP 84) fehlt der bestklassierte Spieler. Für Österreich treten neben Thiem Sebastian Ofner, Gerald Melzer und der Doppelspezialist Philipp Oswald an.

Thiem, der sich im Daviscup zuletzt rarmachte und der persönlichen Turnierplanung den Vorrang gab, blickt frohgemut auf das Ländermatch: "Das ist in dieser Saison mein erster Auftritt in Österreich. Endlich mal wieder ein Teambewerb, der Sieg ist ein Muss. Was mir Sorgen macht, ist das Wetter. Wir müssen alle aufessen, damit die Sonne scheint." (Philip Bauer, 11.9.2017)

  • Dominic Thiem hat das Aus in New York verarbeitet.
    foto: apa/punz

    Dominic Thiem hat das Aus in New York verarbeitet.

  • Blickrichtung Daviscup: "Das ist in dieser Saison mein erster Auftritt in Österreich. Endlich mal wieder ein Teambewerb, der Sieg ist ein Muss."
    foto: apa/punz

    Blickrichtung Daviscup: "Das ist in dieser Saison mein erster Auftritt in Österreich. Endlich mal wieder ein Teambewerb, der Sieg ist ein Muss."

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