Es lohnt sich nicht wie früher

    11. September 2017, 17:19
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    Das Milliardengeschäft startet am Dienstag in die Gruppenphase. Der 222-Millionen-Transfer von Neymar wirft viele Fragen auf. Quo vadis, Königsklasse?

    Frankfurt/Main – Zwar bleibt die am Dienstag beginnende Champions League die "Milliardenliga" des europäischen Kontinents, in der es um weit mehr geht als Ruhm und Ehre – doch in Zeiten der Mega-TV-Verträge und Öl-Scheichs aus dem Nahen Osten machen die Einnahmen aus der Königsklasse nicht mehr den ganz großen Unterschied aus. Selbst Titelverteidiger Real Madrid verdiente mit dem Triumph im Mai nicht einmal einen "halben" Neymar.

    Die Königlichen nahmen in der vergangenen Saison, in der eine ähnliche Verteilung galt, rund 90 Millionen Euro ein. Für den Brasilianer Neymar überwies Paris St. Germain im Sommer 222 Millionen Euro an den FC Barcelona, der wiederum bis zu 147 Millionen für Borussia Dortmunds Ousmane Dembélé ausgab – Geld, mit dem die Champions League zwar gewonnen werden soll, das aber eben nicht (nur) aus jener kommt.

    "Ein wenig pervers"

    "Ja, auch ich finde es ein wenig pervers", sagte der frühere UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner, der die Königsklasse einst zusammen mit den Vermarktern Jürgen Lenz und Klaus Hempel erfunden hatte: "Ich verstehe da ein Stück weit den Fanverdruss am Profifußball."

    Die Europäische Fußball-Union (UEFA) schüttet in dieser Saison insgesamt 1,3189 Milliarden Euro in der Champions League und im UEFA-Supercup aus (Europa League: 399,8 Millionen). Die Teilnahme an der Gruppenphase ist die garantierte Startprämie in Höhe von 12,7 Millionen wert, der Sieger wird am Ende 57,2 Millionen Euro an Prämien verdient haben. Hinzu kommen (hohe) Einnahmen aus dem sogenannten Marktpool, der je nach Land unterschiedlich berechnet wird, und das Geld aus dem Ticketverkauf.

    Der unterlegene Finalist Juventus Turin kam nach dem Endspiel 2017 in Cardiff wegen des höheren Marktpools in Italien auf rund 100 Millionen Euro. Bayern München verdiente knapp 70 Millionen. Viel Geld – doch nicht so viel, wie beispielsweise die regierungsnahen Investoren aus Katar und Abu Dhabi in ihre Spielzeuge Paris und Manchester City pumpen.

    Einnahmen werden steigen

    Die Bayern haben "dieses Finanzdoping nicht – wie sollen sie dann mit Vereinen wie Paris und City konkurrieren?", fragte Spaniens Ligapräsident Javier Tebas unlängst: "Wenn die in Paris oder Manchester einen Spieler haben wollen, müssen sie nur die Sponsorenmaschine in Gang setzen, den Hahn für das Erdöl aufdrehen und sagen: 'Her mit dem Spieler'."

    Erst in der kommenden Saison werden die Einnahmen aus der Königsklasse signifikant steigen. Statt der 2,35 UEFA-Milliarden für beide Klubwettbewerbe sollen 3,2 Milliarden Euro ausgeschüttet werden, allerdings nach einer anderen Verteilung, die den kleinen Klubs zum Verhängnis werden könnte. Die "Großen" Europas könnten hingegen ihre Einnahmen fast verdoppeln.

    Maßgeblich beteiligt an der Reform, die unter anderem auch den vier großen Ligen vier Startplätze in der Gruppenphase garantiert, war die Klub-Vereinigung ECA mit dem damaligen Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, der Anfang September seinen Posten räumte. Damit das "sportlich" verdiente Geld in der Champions League wieder mehr wert ist, fordert der Vorstandsvorsitzende der Bayern eine Reform des Financial Fair Play der UEFA.

    "Kein scharfes Schwert ist"

    "Wir wussten von Anfang an, dass es vielleicht kein Holzschwert, aber auch kein scharfes Schwert ist", sagte Rummenigge, der sich für "ein bisschen mehr Rationalität und Kontrolle" aussprach: "Wir müssen die Dinge überdenken und zusammen mit der Europäischen Fußball-Union angehen." (sid, 11.9.2017)

    • Bringt den großen Vereinen mehr Ruhm als Geld: die Champions League.
      foto: apa/keystone/ valentin flauraud

      Bringt den großen Vereinen mehr Ruhm als Geld: die Champions League.

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