Strom tanken ist mehr als nur Benzin einfüllen

    11. September 2017, 15:00
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    Das Laden von Elektroautos ist eine komplexe Thematik, und man muss ein paar Dinge schon beim Autokauf richtig entscheiden

    Wien – Das Nachladen von Energie bei einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor ist eine bekannt einfache Angelegenheit. Alle paar Kilometer gibt es eine Tankstelle, an der man in wenigen Minuten den Tank gefüllt hat. Bezahlt wird bar, per Bankomat- oder Kreditkarte. Der Preis prangt an jeder Tankstelle weithin sichtbar und ist für alle gleich.

    Komplexe Tarifmodelle

    Das Thema "Laden von Elektroautos" ist viel komplizierter und wird auch in nächster Zeit nicht ganz einfach werden. Das hat kaufmännische und technische Gründe. Die kaufmännische Seite: Aufgrund des harten Konkurrenzkampfes um das Geschäft des Stromverteilens und der komplexen Tarifmodelle wie auf dem Handymarkt ist nicht zu erwarten, dass man auf absehbare Zeit den Strom einfach ohne weitere Verpflichtungen per Kreditkarte bezahlt. An Barzahlung ist schon gar nicht zu denken. Wer also an einer öffentlichen Stromtankstelle laden will, muss einen Vertrag mit einem Provider abschließen, und sei es auch nur kurzfristig. Hier Geld, da Ware geht nicht.

    Während man allerdings den Tank eines Autos mit Verbrennungsmotor nur an einer öffentlichen Tankstelle nachfüllen kann, kann man ein Elektroauto zum Nachladen auch zu Hause anstecken, wenn es die örtlichen Begebenheiten erlauben. Aus heutiger Sicht ist auch der Kauf eines Elektroautos meist nur zu empfehlen, wenn man auch daheim und idealerweise auch am Arbeitsplatz eine Möglichkeit zum Laden hat.

    Fünf Typen von Steckern

    Es gilt also vor Kauf eines Elektroautos die technischen Voraussetzungen zum Laden des Fahrzeugs mit den individuellen Ansprüchen und Möglichkeiten zum Laden abzugleichen. Man muss jetzt kein Elektroingenieur sein, um diese Fragen zu klären, aber man muss sich Überblick über die Verhältnisse verschaffen, die nicht ganz simpel gestrickt sind.

    Es gibt fünf Typen von Steckern, drei für Wechselstrom und zwei für Gleichstrom (der sechste Stecker, den Tesla verwendet, sieht zwar aus wie ein Typ-2-Stecker, ist aber eine Eigenkonstruktion).

    Lademöglichkeiten

    Jedes Elektroauto besitzt normalerweise zwei Ladekabel. Eines für alle Fälle mit einem herkömmlichen Schukostecker auf der Netzseite zum Laden mit Haushaltsstrom. Das dauert üblicherweise viele Stunden. Eine Nacht reicht hier nur für Fahrzeuge mit geringen Reichweiten, also relativ kleinen Batterien. Das kann man als Langsamladen bezeichnen (230 Volt, 10 Ampere, 2,3 Kilowatt). Eigentlich nur eine Notlösung, etwa auf Reisen, um wenigstens irgendwie Strom ins Auto zu kriegen, als Standardeinrichtung nicht zu empfehlen.

    Das zweite Ladekabel besitzt auf der Netzseite einen Typ-2-Stecker. Das ist die europäische Norm für normales oder beschleunigtes Laden mit Wechselstrom. Dafür benötigt man eine sogenannte Wallbox. Hier können deutlich höhere Leistungen übertragen werden, und zwar zwischen 3,7 kW (230V/16 A) und 22 kW (440V/32 A), je nach Beschaffenheit des Stomnetzes und Vorgaben des Netzbetreibers.

    Ladezeiten

    Fahrzeugseitig findet man zum Wechselstromladen auch den sogenannten Typ-1-Stecker, vorzugsweise bei japanischen und koreanischen Autos, weil es sich dabei um eine asiatische Norm handelt. Das ist aber unerheblich, weil man die Kabel ohnehin mit dem Auto kauft (serienmäßig oder gegen Aufpreis).

    Die Ladezeiten hängen von der übertragbaren Leistung ab, im Hausgebrauch beim Wechselstromladen also zwischen 2 kW und 11 kW, in Ausnahmefällen bis 22 kW. Linear dazu verhalten sich auch die Ladzeiten, wobei die meisten Fahrzeugbatterien einen Energieinhalt von knapp 20 kWh bis gut 40 kWh besitzen. Doch der Trend geht steil nach oben und damit auch die Ladezeiten, etwa beim Opel Ampera-e mit 60 kWh.

    Neben der installierten Leistung an der heimischen Wallbox ist aber auch die Ladetechnik im Fahrzeug ausschlaggebend. Standard ist derzeit eigentlich eher die Langsamladung mit maximal 3,7 Kilowatt (230 V/16 A) an der Wallbox. Beschleunigtes Laden bei 400 Volt mit 11 kW oder 22 kW bieten viele Autohersteller derzeit gar nicht oder nur gegen Aufpreis an.

    Schnellladen

    Das heißt, wirklich kurze Ladezeiten sind in diesem Fall nur durch Gleichstromladen möglich, und das geht nur an einigen öffentlichen Ladesäulen. Diese funktionieren wie Benzinzapfsäulen, haben also das Ladekabel fix an der Säule montiert. Hier gibt es üblicherweise drei Möglichkeiten zur Auswahl: einen Typ-2-Stecker mit bis zu 43 kW Wechselstrom und zwei Gleichstromstecker mit 50 kW, den europäischen CCS und den asiatischen CHAdeMO. Eine fatale Verwechslung wie bei Benzin und Diesel kann hier allerdings nicht passieren. Auch der üppig dimensionierte Typ-2-Stecker lädt nur so stark, wie ihr Auto es auch aufnehmen kann.

    Beim Schnellladen an der öffentlichen Säule reicht jedenfalls eine Kaffee- oder Mittagspause, um die Batterien wieder zu 80 Prozent vollzukriegen. (Rudolf Skarics, 11.9.2017)

    • Eine Smatrics-Station mit unterschiedlichen Steckern
      foto: laggers.at

      Eine Smatrics-Station mit unterschiedlichen Steckern

    • Der Typ-2 Stecker
      foto: laggers.at

      Der Typ-2 Stecker

    • Der CCS-Stecker
      foto: laggers.at

      Der CCS-Stecker

    • Der Chademo-Stecker
      foto: laggers.at

      Der Chademo-Stecker

    • Der Opel Ampera e, hier unplugged. Er lässt sich bereits mit Gleichstrom schnellladen. Es dauert dann kaum länger als eine Kaffeepause, um die Akkus wieder zu zwei Dritteln zu füllen.
      foto: opel

      Der Opel Ampera e, hier unplugged. Er lässt sich bereits mit Gleichstrom schnellladen. Es dauert dann kaum länger als eine Kaffeepause, um die Akkus wieder zu zwei Dritteln zu füllen.

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