Bis zu acht Milliarden Euro Schaden in Karibik

    10. September 2017, 18:17
    3 Postings

    Nächtliche Ausgangssperre wegen Plünderern in französischem Katastrophengebiet

    Bis der Sturm kam, galt der kleine Ort Grand Case an der Nordküste der zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilten Insel Saint Martin / Sint Maarten als "Gourmethauptstadt der Karibik". An der Hauptstraße lag ein Restaurant neben dem anderen, nächtigen konnte man im schicken Grand Case Beach Club. Das ist vorbei. "Bis zu einem Jahr" werde es dauern, bis die Schäden an dem Resort beseitigt seien, verkündete der Sohn des Managers auf Facebook. Die Nachricht stammt vom Samstag und ist die einzige, seit Hurrikan Irma am 6. und 7. September über das Eiland fegte – die Kommunikationsverbindungen zu der 80.000-Einwohner-Insel sind praktisch lahmgelegt.

    95 Prozent der Gebäude im französischen Teil seien zumindest beschädigt, berichten die Behörden, im südlichen Teil sind es über 70 Prozent. Sorgen bereiten zudem Berichte über anarchische Zustände, in beiden Inselteilen sollen Plünderer unterwegs sein. Es gebe Prügeleien um Fernseher oder Ventilatoren, berichtete eine Bewohnerin von Saint Martin. "Ich sehe auf der Straße junge Menschen mit Macheten."

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte eine Verdoppelung der Militär- und Polizeikräfte an, "um die Sicherheit schnell zu stärken". So sollen unter anderem 240 zusätzliche Polizisten in die zum Katastrophengebiet erklär- ten französischen Überseegebiete Saint Martin und Saint-Barthélemy geschickt werden, die lokalen Behörden verhängten eine nächtliche Ausgangssperre.

    8,3 Milliarden Euro Schäden

    Die Gesamtschäden in der Karibik könnten sich auf umgerechnet 8,3 Milliarden Euro belaufen – und der wichtige Devisenbringer, der Tourismus, droht monate- lang auszufallen. "In den vergangenen hundert Jahren haben die wirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen pro Jahr – absolut gesehen – zugenommen", sagt James Daniell vom Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technologie. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister AIR Worldwide schätzt die versicherten Schäden durch Irma in den USA und in der Karibik auf umgerechnet 17 bis 54 Milliarden Euro.

    Schwere Schäden hat das Wetterphänomen auch auf Kuba verursacht. Besonders schlimm wurde unter anderem die Provinz Villa Clara getroffen. In dem Fischerort Caibarien wurden reihenweise Hausdächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, und es kam zu schweren Überschwemmungen. Mehr als die Hälfte der 40.000 Einwohner wurden in Notunterkünften in Sicherheit gebracht. Die Hilfsorganisation Caritas International befürchtet große Schäden, auch Ernteverluste durch Überschwemmungen. (dpa, APA, red, 10.9.2017)

    Share if you care.