Austria verspielt Sieg gegen WAC in Nachspielzeit

9. September 2017, 20:39
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Generalprobe für EL-Heimspiel gegen Milan gescheitert

Wien – Der Wolfsberger AC hat der Austria am Samstag zwei sicher geglaubte Punkte geraubt. Der in der 64. Minute eingewechselte Jamaikaner Dever Orgill traf in der 92. Minute im Happel-Stadion zum 2:2-Ausgleich und verpatzte den Violetten damit die Europa-League-Generalprobe fünf Tage vor dem Heimauftritt gegen AC Milan. Die Austria ist nun Tabellenvierter, einen Rang und Punkt vor dem WAC.

Die Kärntner gingen im 150. Bundesliga-Spiel von Trainer Heimo Pfeifenberger durch Abwehrmann Michael Sollbauer in Führung, der in der 23. Minute nach einer Offenbacher-Ecke abstaubte. Florian Klein traf in seinem ersten Meisterschaftsspiel in Österreich seit dem 11. Mai 2014 praktisch mit dem Halbzeitpfiff zum Ausgleich. In der 57. Minute schaffte Raphael Holzhauser mit einem abgefälschten Freistoß die Führung, ehe Orgill die Hoffnungen auf den vierten Sieg in Folge spät zunichtemachte.

Bei der Austria nahmen aufgrund von Verletzungen und noch fehlenden Arbeitspapieren nur sechs Männer auf der Bank Platz. Von seiner Wunschelf ging Trainer Thorsten Fink neben den Langzeitverletzten auch der noch am Knie bediente Tarkan Serbest ab. Trotzdem hatten die "Veilchen" in der ersten Hälfte mehr von Spiel, der WAC agierte gemäß der Pfeifenberger-Philosophie eher abwartend.

Wenig Torchancen

Gefährliche Aktionen gab es trotz massiven violetten Bemühens in der Anfangsphase nicht viele: In der 14. Minute streifte ein Kopfball von Heiko Westermann über die Latte, ein Schüsschen von Ismael Tajouri (20. Minute) stellte für WAC-Torhüter Alexander Kofler kein Problem dar.

Im Angriff war die Pfeifenberger-Elf selten, zeigte sich aber effizient. Nach dem Eckball von Daniel Offenbacher verlängerte Bernd Gschweidl per Kopf Richtung zweite Stange, wo Ex-Kapitän Sollbauer humorlos einschoss. Für den 27-Jährigen, der den verletzten Boris Hüttenbrenner in der Innenverteidigung ersetzte, war es im 150. Bundesliga-Spiel der erst zweite Treffer.

Nach dem Rückstand drückte die Austria, kam aber nie in wirklich aussichtsreiche Positionen. Die Gäste verteidigten geschickt, ließen vor allem im Strafraum kaum Lücken zu. Eine der wenigen nutzte Klein bei seinem Bundesliga-Comeback: Der Ex-ÖFB-Teamspieler schoss im Strafraum aus der Drehung und durch Wolfsberger Beine hindurch zum 1:1-Pausenstand ein. Davor hatte Kofler noch aus kurzer Distanz gegen Felipe Pires gerettet.

Glückliche Austria-Führung, später Ausgleich

Gleich nach dem Wechsel durfte sich der Kärntner bei einem Volley von Pires (47.) auszeichnen. Konsequent jagte die Austria das zweite Tor. Ein Freistoß aus etwa 17 Metern wurde dann zum gefundenen Fressen für Holzhauser: Der von der Mauer abgefälschte Schuss des Kapitäns landete via Stange im Netz.

Danach schalteten die Austrianer etwas zurück. Der WAC vergab durch Orgill (70.) und Mario Leitgeb (76.), der die Außenstange traf, zunächst zwei gute Chancen auf den Ausgleich. Kurz vor Schluss zeigte Osman Hadzikic bei zwei Aktionen von Mihret Topcagic sein Können. Nach einer Kombination über die linke Seite wurde ein abgeblockter Ball von Topcagic zur Vorlage für den völlig freistehenden Orgill, der per Kopf einnetzte. (APA, 9.9.2017)

7. Runde: FK Austria Wien – Wolfsberger AC 2:2 (1:1)
Wien, Ernst Happel Stadion, 5.878, SR Schüttengruber.

Tore: 0:1 (23.) Sollbauer
1:1 (45.) Klein
2:1 (58.) Holzhauser
2:2 (92.) Orgill

Austria: Hadzikic – Klein, Kadiri, Westermann, Martschinko – Holzhauser – Tajouri (81. Borkovic), Prokop, Lee (89. Salamon), Pires – Friesenbichler (84. Monschein)

WAC: Kofler – Zündel, Sollbauer, Rnic, Palla – Flecker, Rabitsch (62. M. Leitgeb), Offenbacher, G. Nutz – Ouedraogo (76. Topcagic), Gschweidl (64. Orgill)

Gelbe Karten: Palla, Zündel, Offenbacher, M. Leitgeb, Flecker

Stimmen:

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Wir haben viel investiert, auch viel nach vorne. Aber wir haben am Ende nicht die Cleverness gehabt, das Spiel zu gewinnen. Erste Halbzeit haben wir nur eine Standardsituation zugelassen. Wir hatten viele Chancen, vor allem über Pires. Nach dem 0:1 hat die Mannschaft einen tollen Charakter gezeigt, hat noch das 2:1 gemacht. Im Konter müssen wir dann eigentlich das 3:1 machen. Wir haben aber Chancen zugelassen nach langen Bällen. Klein hat ein hervorragendes Debüt gegeben, das hätte ich so nicht erwartet."

Heimo Pfeifenberger (WAC-Trainer): "Am Ende war das sehr gut. Einen Punkt bei einer starken Austria mitzunehmen, ist etwas Besonderes. Wir sind sehr kompakt gestanden, haben es der Austria schwer gemacht, in einen Spielfluss hineinzukommen. Leider ist ihnen vor der Pause der Ausgleich geglückt. In der zweiten Hälfte war die Austria dann gut im Spiel, nach den Wechseln haben wir aber vier hochkarätige Chancen herausgespielt. Das zeigt, dass die Mannschaft eine Topmoral hat."

Florian Klein (Austria-Verteidiger und -Torschütze): "Wir können nicht zufrieden sein. Wir waren die erste Halbzeit klar überlegen, hatten Chancen und hätten mit mehr Konsequenz auch noch mehr Möglichkeiten herausspielen können. Nach dem 2:1 müssen wir das eigentlich rüberbringen. Für mich ist es wichtig, dass ich wieder Spielpraxis bekomme. Natürlich ist das Tor schön, aber es geht um die drei Punkte, und die haben wir nicht geholt."

  • Raphael Holzhauser jubelte über das 2:1, es sollte nicht reichen...
    foto: apa/georg hochmuth

    Raphael Holzhauser jubelte über das 2:1, es sollte nicht reichen...

  • ...denn der WAC belohnte sich spät für eine respektable Leistung.
    foto: apa/georg hochmuth

    ...denn der WAC belohnte sich spät für eine respektable Leistung.

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