Argentinien nötigt Neuseeland zur Arbeit

    Video9. September 2017, 13:17
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    Pumas schienen auf dem Weg zur Sensation, ehe ein Try von Neuling Fifita den Weltmeister auch im dritten Match der Rugby Championship auf die Siegerstraße brachte – Südafrika holt Remis in Australien

    New Plymouth – In typischer Manier antwortete Neuseelands Rugby-Nationalteam am Samstag auf eine forsche Kampfansage Argentiniens. Ein famoser Try durch Rookie-Flanker Vaea Fifita zum 22:22-Ausgleich in Unterzahl war der Auftakt zu einer dominanten letzten halben Stunde des Weltmeisters. Am Ende gewannen die All Blacks auch ihr drittes Spiel im Rugby Championship 2017 noch deutlich mit 39:22.

    Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es so ausgesehen, als wären die Argentinier im ungastlichsten Umfeld der Rugby-Welt – seit 2009 haben die Neuseeländer zu Hause nicht mehr verloren, ehe die British&Irish Lions letzten Sommer den Bann brachen – auf dem Weg zu einer Sensation. Die Pumas, denen noch nie ein Erfolg gegen Neuseeland gelungen war, führten im Taranaki Regional Stadium von New Plymouth zur Pause mit 16:15, nachdem Flyhalf Nicolas Sanchez in der Nachspielzeit ihr erster Try der Partie gelang (40+2).

    Ein Penalty-Goal durch Emiliano Boffelli ließ den Vorsprung in der zweiten Halbzeit auf vier Punkte anwachsen, und als Beauden Barrett, der zuvor drei Conversion-Kicks in Folge neben die Torstangen gesetzt hatte, mit einer Gelben Karte für zehn Minuten auf die Strafbank geschickt wurde (50.), schien plötzlich alles möglich. Ein weiterer Penalty durch Sanchez schraubte den Score kurzzeitig gar auf 22:15 für die Gäste.

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    Die entscheidenden Szenen aus New Plymouth.

    Comeback in Unterzahl

    Doch dann schlug Fifita zu, der erstmals in der Anfangsformation der All Blacks stand. 35 Meter vor der Trylinie freigespielt übersprintete er die Verteidigungslinie der Argentinier. Die resultierenden fünf Punkte brachten den haushohen Favoriten nicht nur zurück in Schlagdistanz. Wie so häufig der Fall, machte sich ab diesem Zeitpunkt die überlegene Klasse der bis dahin ungeduldig und schludrig zu Werke gegangenen Neuseeländer deutlich bemerkbar. So couragiert die Argentinier bisher aufgetreten waren, nun wirkten sie überfordert. "Das Tempo der All Blacks hat uns im Finish erledigt", sagte Scrumhalf Tomas Cubelli.

    Nach zwei glatten Niederlagen gegen Südafrika zog sein Team also auch in der dritten Partie des seit 2012 jährlich ausgetragenen Kräftemessens der vier stärksten National-Auswahlen der Südhemispähre den Kürzeren. Als nächstes wartet Australien in Canberra.

    Die All Blacks hingegen sorgten mit zwei weiteren Tries (von insgesamt sechs) durch Damian McKenzie (63.) und Barrett (78.) auch noch für die Standesgemäßheit des erwarteten Sieges. "Wir haben ordentlich arbeiten müssen, die Argentinier haben sich nicht versteckt", lobte Kapitän Kieran Read. Es sei aber erfreulich, wie seine Burschen drangeblieben seien. Dritter Sieg im dritten Spiel: der Titelverteidiger und Rekordsieger (4) befindet sich trotz einer diesmal phasenweise etwas konfusen Vorstellung auch in dieser Ausgabe des Championship auf bestem Weg.

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    Die Höhepunkte vom Match in Perth.

    Remis in Perth

    Umso mehr, als sich Australien und Südafrika in Perth im zweiten Duell des Tages mit 23:23: (13:10) unentschieden trennten. Während die Wallabies weiterhin auf ihren ersten Sieg im Turnier warten müssen, dürften sich die Springboks als schärfster Konkurrent de Neuseeländer etabliert haben. Ihre Wiedergeburt nach einem schrecklichen Vorjahr gewann weiter an Statur, das Team von Chefcoach Allister Coetzee bleibt 2017 weiter ungeschlagen. Das Resümee am Kap dürfte jedoch trotzdem zwiespältig ausfallen, ein seltener Sieg in Australien wäre nach den gezeigten Leistungen nämlich durchaus möglich gewesen.

    Sieben ihrer letzten Gastspiele Down Under hatten die Südafrikaner verloren, trotzdem war nach dem Aufschwung der letzten Monate verhaltener Optimismus ausgebrochen – noch dazu, wo die Springboks in Perth auf Unterstützung der großen südafrikanischen Gemeinschaft in der Stadt hoffen durften.

    Centre Jesse Kriel und Hooker Malcolm Marx querten für die Springboks, die in Scrum wie Lineout dominierten, in der zweiten Halbzeit aber mehrfach gute Gelegenheiten nicht in Punkte ummünzen konnten. Spielmacher Elton Janties kickte die Gäste nach 68 Minuten erstmals in Führung, nachdem zuvor ein Zehnpunkte-Rückstand wettgemacht werden konnte. Bernard Foley glich kurz darauf jedoch aus (70.). Die Tries für Australien scorten in in einer flotten Partie Kurtley Beale und Tatafu Polota-Nau.

    Kommende Woche nimmt es Südafrika, das in der Tabelle nun bei elf Punkten hält, mit den All Blacks (15) auf. Ein Sieg der Neuseeländer würde also bereits eine Vorentscheidung herbeiführen. (Michael Robausch, 9.9. 2017)

    • Vaea Fifitas Durchmarsch brachte das Momentum zurück auf die neuseeländische Seite.
      foto: apa/afp/melville

      Vaea Fifitas Durchmarsch brachte das Momentum zurück auf die neuseeländische Seite.

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