Auftrag zum Mauerbau: "Auf Beamtenebene"

Einserkastl8. September 2017, 18:02
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Beamte von Innenministerium, BKA, Präsidentschaftskanzlei und MA 28 der Stadt Wien einigten sich auf das Ding

Thomas Drozda ist ein gebildeter Mensch, und daher fiel dem Kanzleramtsminister zu der Groteske um die "Terrormauer" vor Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei nur ein: "Das ist Kakanien in Reinkultur."

"Kakanien" ist in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften ein Staat, der seinen Namen von der "k. k." Monarchie (für: "kaiserlich-königlich") hat.

Musil: "Und verwaltet wurde dieses Land in einer aufgeklärten, wenig fühlbaren, alle Spitzen vorsichtig beschneidenden Weise von der besten Bürokratie Europas, der man nur einen Fehler nachsagen konnte: Sie empfand Genie und geniale Unternehmungssucht an Privatpersonen, die nicht durch hohe Geburt oder einen Staatsauftrag dazu privilegiert waren, als vorlautes Benehmen und Anmaßung."

In der Tat: Die Rekonstruktion ergibt, dass die Mauer "auf Beamtenebene" konzipiert, beschlossen und begonnen wurde. Beamte von Innenministerium, BKA, Präsidentschaftskanzlei und MA 28 der Stadt Wien einigten sich auf das Ding. Von den Ausmaßen der – auch unter Sicherheitsaspekten fragwürdigen – Mauer erfuhr Drozda laut eigenem Bekunden auf Twitter.

Den Endauftrag gab zwar Innenminister Wolfgang Sobotka, aber offenbar im Vertrauen auf die "Beamtenebene". Die jedoch empfindet Hinterfragen ihres Tuns gern als Anmaßung. Auch in Republikanien. (Hans Rauscher, 8.9.2017)

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