Impfpflicht in Italien: Chaos zu Schulbeginn

    9. September 2017, 01:00
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    Die neu beschlossen Impflicht überfordert die Sanitätsbehörden –

    Die vom italienischen Parlament Ende Juli verabschiedete Impfpflicht für Schulkinder sorgt für chaotische Zustände im Gesundheitssystem. Rund zwei Millionen Familien müssen ihre Kinder noch impfen lassen, wollen sie ihnen den Zugang zum Kindergarten sichern.

    Eltern von Kindern bis zu 16 Jahren haben bis zum 31. Oktober Zeit, ihren Nachwuchs schützen zu lassen. Dies ist eine Folge der umstrittenen Impfpflicht gegen zehn Krankheiten, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Feuchtblattern. Da das Gesundheitssystem dezentral organisiert ist, hat jede Region unterschiedliche Strategien. Die Impfstellen klagen nun angesichts des Ansturms über Personalmangel.

    In diesem Schuljahr genügt eine Eigenerklärung der Eltern über den Impfstatus ihrer Sprösslinge. Laut Sanitätsbetrieb berechtigt das Schreiben zum Besuch von Kleinkindbetreuung und Schule, auch wenn noch nicht alle Pflichtimpfungen gemacht worden sind, das Kind aber vorgemerkt ist.

    Viele Unklarheiten

    Der Brief muss für die Kleinkindbetreuung bis diesen Sonntag, für die Schule bis 31. Oktober abgegeben werden. Da die Übergangsbestimmungen gelten, kann das Schuljahr 2017/18 für alle Kinder ohne Einschränkungen beginnen. Die Impfungen müssen aber nachgeholt werden, um Verwaltungsstrafen zu vermeiden. Bis dahin gibt es noch zwei weitere Erinnerungsschreiben an die Eltern.

    Die norditalienische Region Venetien wollte ursprünglich den Familien Zeit bis zu Beginn des Schuljahrs 2019/2020 geben. Nachdem die Regierung Gentiloni jedoch die Einhaltung des Impftermins verlangt hatte, machte der Präsident der Region, Luca Zaia, einen Rückzieher.

    "Wer die Institutionen vertritt, muss die Gesetze respektieren. Die Frist muss eingehalten werden", sagte Bildungsministerin Valeria Fedeli. Die Regierung werde alles unternehmen, um Eltern und Schulen zu unterstützen. Fedeli drohte Impfverweigerern mit Konsequenzen. "Wer seine Kinder nicht impfen lässt, soll wissen, dass sie die Schule nicht besuchen dürfen."

    Geldstrafen angedroht

    Die Ärztekammer betonte, man müsse für eine vollständige Immunisierung der Kinder sorgen. Sollten nicht alle geimpft werden, sei die Gefahr von Epidemien groß, die die Gesundheit einzelner und der Gesellschaft gefährden würden. Die Geldstrafe fürs Nicht-Impfen beträgt bis zu 500 Euro.

    Impfgegner sind wenig erfreut: Sie bestreiten eine Masern-Epidemie in Italien, die die Einführung einer Impfpflicht rechtfertige. In den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, bestünde keine Impfpflicht. Die Verweigerer beschuldigen die Regierung, im Dienst einflussreicher Pharma-Lobbys zu stehen.

    Wegen des angeblichen Zusammenhangs von Impfungen mit einer Zunahme von Autismus-Fällen ist die Zahl der Impfgegner in Italien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Wirksamkeit von Vakzinen sei nicht bewiesen, Impfschäden würden gezielt verschwiegen, stellen sich die Kritiker gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft. (APA, 9.9.2017)

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